Interkulturelle Öffnung der Jugendorganisationen
Potenziale nutzen und ausbauen! - Jugendverbände und die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
(Einstimmig auf der 77. Vollversammlung am 3./4. Dezember 2004 in Bremen beschlossen)
[...]Jugendverbände sind als wichtige Ressource für die gesellschaftliche Integration noch zu wenig im Blick. Soll Integration allerdings gelingen, müssen neben Fachorganisationen der sozialen Arbeit bestehende Verbandsstrukturen seitens der Politik zukünftig stärker genutzt und auch dafür gefördert werden. Nur durch die Verankerung der Integrationsbemühungen in der Breite der Gesellschaft wird die Öffnung und Weiterentwicklung unserer Gesellschaft gelingen können.
Für eine solche Integrationsarbeit ist neben einer gezielten Projektförderung eine ausreichende Infrastruktur der bestehenden Strukturen notwendig. Egal auf welchen Ebenen sind weitere Einschnitte an dieser Stelle im Hinblick auf das inhaltliche Anliegen kontraproduktiv. Ohne diese Voraussetzungen können umfangreiche Projektanträge und –abrechnungen von meist ehrenamtlichen Strukturen nicht geleistet werden.
Potentiale der Jugendverbandsarbeit
Das Potential von Jugendverbänden und Jugendringen wird im Zusammenhang der Integrationsförderung und der gesellschaftlichen Partizipation von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund von ihnen selbst noch zu wenig genutzt. Die Organisationsform Jugendverbände im Sinne der Selbstorganisation von Kindern und Jugendlichen, die darin ihre Interessen organisieren, ist für die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ein noch zu wenig genutztes Innovationspotential. „Integration durch Selbstorganisation“ stellt ein zukunftsträchtiges Modell dar, dessen Verbreitung und Förderung für alle gesellschaftlichen Kräfte eine Pflichtaufgabe darstellt.
Jugendverbände haben den Auftrag, junge Menschen in ihrer Persönlichkeit umfassend zu fördern und sie zur Partizipation an der Gesellschaft, sowie zur Übernahme von Verantwortung anzuregen. Sie vermitteln als intermediäre Organisationen zwischen unterschiedlichen Bereichen und Gruppen der Gesellschaft und vertreten gleichzeitig die Interessen aller Kinder und Jugendlichen im politischen Diskurs. In einigen Jugendringen und –verbänden sind dafür in jüngster Zeit im interkulturellen Kontext Konzepte und Initiativen entwickelt worden, die voran getrieben und umgesetzt werden sollten.
Jugendverbände übernehmen eine doppelte Funktion: Einerseits sind sie bedürfnis- und interessengesteuerte Selbstorganisation von Kindern und Jugendlichen, andererseits übernehmen sie als wertgebundene Organisationen Präge- und Bildungsfunktionen. Sie unterscheiden sich damit deutlich von Agenturen, die Auftragsempfänger und Ausführende sind. Darin steckt ein unschätzbares Potential: Können in diesem innerverbandlichen Aushandlungsprozess zwischen den unterschiedlichen Interessen von Innen und Außen, die Verbandsmitglieder und insbesondere die Ehrenamtlichen gewonnen werden, dann entwickeln sie als echte „Überzeugungstäter“ ungeahnte Motivation, Kreativität und Engagementbereitschaft. Dieser Umstand ist für die Integrationsarbeit noch zu wenig im Fokus der Aufmerksamkeit.
Zahlreiche Jugendverbände und –ringe haben durch jahrelange Erfahrungen in Antirassis-musprojekten und Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit interkulturelle Kompetenzen erworben. Sie tragen durch solche Initiativen zur Schaffung eines positiven gesellschaftlichen Klimas und eines Bewusstseins für Integration bei. Diese Ansätze sollten allerdings auch innerhalb der Verbände aus Expertennischen geholt werden, um Impulse und Ideen für integrative Gesamtstrategien entwickeln zu können.[...]







