Besuch beim israelischen Jugendring CYMI in Tel Aviv

Vom 29. Januar bis 2. Februar 2026 reiste eine Gruppe des Bundesjugendrings nach Tel Aviv, um mit dem israelischen Partnerjugendring CYMI zusammenzutreffen. Der Besuch stand im Zeichen des Austauschs zu jugendpolitischen Themen, gesellschaftlichen Herausforderungen und der gemeinsamen Verantwortung für Demokratie - getragen von einer jahrzehntelangen Freundschaft im Rahmen des deutsch-israelischen Jugendaustauschs. Ziel der Reise war es, insbesondere den neuen DBJR-Vorstandsmitgliedern einen Einblick in die Arbeit von CYMI und seiner Mitgliedsorganisationen zu ermöglichen. Der Aufenthalt wurde durch ConAct-Koordinierungszentrum für den Deutsch-Israelischen Jugendaustausch teilfinanziert.

Ein wichtiger Programmpunkt war der Besuch eines lokalen Zweigs der Hebrew Scouts, bei dem die Teilnehmenden die Aktivitäten und das Engagement der Jugendlichen vor Ort kennenlernen konnten. Weitere Gespräche fanden beim Ihud Haklai Youth Movement statt, wo drei junge Freiwillige, die sich in ihrem „Servicejahr“ vor dem Militärdienst engagierten, ihre Erfahrungen teilten. Es wurde diskutiert, wie junge Menschen in Israel in den Youth Movements aktiv werden, welche Rolle diese Bewegungen während des Militärdienstes spielen und wie sich die Jugendlichen nach ihrer Armeezeit weiterhin gesellschaftlich einbringen.

Ein weiterer Höhepunkt war der Austausch im Arab-Jewish Community Center in Tel Aviv-Jaffa, das seit 1993 als sicherer Raum für mehr als 3.000 Menschen aus den jüdischen, muslimischen und christlichen Gemeinschaften dient. Hier werden Programme zur Förderung von Verständnis und Toleranz angeboten, darunter Lerngruppen, kulturelle Veranstaltungen und Jugendbegegnungen. Diese interkulturelle Arbeit wurde als ein wichtiger Beitrag zur Förderung des sozialen Zusammenhalts innerhalb der vielfältigen israelischen Gesellschaft hervorgehoben.

In Gesprächen mit den Youth Movements HaNoar HaOved VeHaLomed (No’al), Scouts und Bnei Akiva wurde die Diversität der Jugendbewegungen in Israel diskutiert und wie diese trotz politischer Differenzen zusammenarbeiten können. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Bildungsarbeit in einer Gesellschaft, die durch ethnische und religiöse Vielfalt geprägt ist.

Der Besuch des Massuah International Institute for Holocaust Studies bot tiefere Einblicke in die Ausstellung „Hate Industry – Antisemitism, Racism, Prejudice – the Past Hundred Years“. Diese beleuchtete die Gefahr von Hetze und Propaganda, insbesondere die Rolle der Massenmedien in der Entstehung rassistischer und antisemitischer Bewegungen. Ein weiterer Programmpunkt war die „Local Testimony“-Ausstellung im Tel Aviv Museum, die sich mit der Bedeutung dokumentarischer Fotografie als Ausdruck der lokalen Realität beschäftigte. Außerdem wurde der „Hostage Square“ besucht, ein zentraler Treffpunkt für die Familien der Geiseln des 7. Oktobers und deren Unterstützer. 

Die Gruppe erlebte zudem eine Demonstration, an der auch viele Youth Movements teilnahmen, um auf die Probleme der Kriminalität innerhalb der arabischen Bevölkerungsgruppen sowie die Apathie und Hetze seitens der israelischen Regierung aufmerksam zu machen.

Dr. Hadas Aron hielt einen Vortrag zu den aktuellen Herausforderungen für die Demokratie in Israel und Europa, wobei insbesondere die geplante Justizreform in Israel vor dem 7. Oktober 2023 und die daraus resultierenden Massenproteste thematisiert wurden, die auch Thema der letzten Begegnung in Tel Aviv im Jahr 2022 waren.

Ein Höhepunkt der Reise war das gemeinsame Feiern des Shabbat mit den israelischen Partner*innen sowie deren Familien und Freund*innen, was zu einem tiefgehenden und persönlichen Austausch führte.

Der Besuch beim israelischen Jugendring ist Ausdruck einer langjährigen und vertrauensvollen Partnerschaft zwischen dem israelischen Jugendring und dem Bundesjugendring – eine Freundschaft, die im Jahr 1970 mit der ersten offiziellen Delegation aus Israel begann und seitdem stetig gewachsen ist. Für die Zukunft ist ein Gegenbesuch von CYMI in Deutschland geplant, um den Austausch fortzuführen und zu vertiefen.