Beteiligungszugang der Koordinierungsstelle Jugendbeteiligung in Klimafragen: demokratisch legitimiert und wirksam
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Ihre besondere Stärke entfaltet Jugendbeteiligung, wenn sie auf bestehenden Strukturen aufbaut, statt neue, isolierte Gremien zu schaffen. Die Koordinierungsstelle knüpft also an das bestehende selbstorganisierte zivilgesellschaftliche Engagement junger Menschen an. In Jugendverbänden und -organisationen werden Positionen in demokratischen Verfahren entwickelt, gebündelt und innerhalb der Strukturen rückgekoppelt. So entsteht ein Dialog mit jungen Menschen als Bevölkerungsgruppe und nicht über junge Menschen. Auf diese Weise kann die Koordinierungsstelle Jugendbeteiligung in Klimafragen dazu beitragen, die politische Wirksamkeitserfahrung weniger junger Menschen in die Breite „der Jugend“ zu tragen.
Zudem ist der Austausch zwischen den verschiedenen Jugendverbänden und -organisationen besonders wertvoll. In diesen Prozessen werden Positionen, die bereits innerhalb ganzer Verbände demokratisch ausgehandelt wurden, zusammengeführt, weiterentwickelt und Kompromisse entwickelt. Es entstehen gemeinsame Anliegen, die die Vielfalt junger Menschen abbilden und mit klarer Aussagekraft in den politischen Prozess eingebracht werden können. So entstand etwa ein gemeinsames Positionspapier zum europäischen Klima-Sozialfonds, in dem sich zwölf Jugendverbände und -organisationen gemeinsam für konkrete Maßnahmen einsetzen – unter anderem dafür, die besondere Betroffenheit junger Menschen durch Mobilitäts- und Energiearmut anzuerkennen und den Nationalen Klima-Sozialplan durch eine umfassende Kommunikationsstrategie zu begleiten, um die Akzeptanz des ETS II zu stärken.
Naturgemäß erfordert die Rückkopplung mit Verbandsstrukturen mehr Zeit und erfolgt nicht so unmittelbar, wie wenn junge Einzelpersonen direkt nach ihrer Meinung gefragt würden. Einzelpersonen sprechen meist nur aus ihrem persönlichen Referenzrahmen heraus, während Jugendverbände die Perspektiven vieler junger Menschen bündeln und dadurch die Anliegen als Interessenvertretung kommunizieren können. Um die Vielfalt junger Menschen abzubilden, legt die Koordinierungsstelle Jugendbeteiligung in Klimafragen großen Wert darauf, Jugendverbände und -organisationen mit unterschiedlichen Hintergründen und Sichtweisen einzubeziehen. Darüber hinaus können Jugendverbände und -organisationen auf Bundesebene meist durch ihre hauptamtlichen Ressourcen ihre die Jugendvertreter*innen begleiten und in ihrer Rolle stärken. Wer im konkreten Prozess die jeweilige Verbandsperspektive vertritt, bleibt der jeweiligen Selbstorganisation der Jugendverbände überlassen. Bei der Koordinierungsstelle für Jugendbeteiligung in Klimafragen gibt es daher bewusst keine Quoten oder Vorgaben, wer für den jeweiligen Jugendverband oder -organisation sprechen darf. Zugleich entscheiden die Jugendverbände ebenfalls selbst, zu welchen Themen sie sich einbringen – und gestalten damit die Balance zwischen Ressourcen und inhaltlicher Wirkung.
Jugendbeteiligung auf Bundesebene ist sehr voraussetzungsvoll und erfordert in der Praxis ein hohes Maß an persönlichem und ehrenamtlichen Engagement im Jugendverband sowie im Beteiligungsprozess. Diese Prozesse sind zeitintensiv und werden häufig eher von privilegierten Personen getragen. Aus diesem Grund ist es um so wichtiger, dass Jugendbeteiligungsformate von Unterstützungstrukturen – idealerweise ebenfalls aus dem jugendverbandlichen Kontext - begleitet werden, die junge Menschen und ihre Jugendverbände so stärken können, dass möglichst allen jungen Menschen der Zugang gewährleistet werden kann.
Der Bundesjugendring als Träger der Koordinierungsstelle Jugendbeteiligung in Klimafragen betont: Jugendverbände sind seit jeher Werkstätten der Demokratie. In ihnen lernen Kinder und Jugendliche, Positionen auszuhandeln, Verantwortung zu übernehmen und Interessen gemeinsam zu vertreten. Die Beteiligung junger Menschen über ihre demokratisch legitimierten Organisationen bildet die stärkste Grundlage, Jugendbeteiligung auf Bundesebene glaubwürdig und beständig zu institutionalisieren und spiegelt zugleich das demokratische Verständnis der Bundesrepublik Deutschlands wider.