U18-Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Junge Menschen treffen ihre Wahl

Das Wahlergebnis der Kinder- und Jugendwahl U18 im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht fest. In der Woche vom 24. bis zum 28. August haben landesweit 3.123 junge Menschen unter 18 Jahren in 62 Wahllokalen ihre Stimmen abgegeben. Die Kinder- und Jugendwahl U18 ist eine der größten Initiativen der außerschulischen politischen Jugendbildung in Deutschland. Die Wahlergebnisse der U18-Wahlen sind nicht repräsentativ für junge Menschen in Sachsen-Anhalt, geben aber Einblick in die parteipolitischen Präferenzen der Teilnehmenden.

Die Wahllokale werden überwiegend ehrenamtlich von Jugendverbänden, Jugendgruppen und weiteren Engagierten vor Ort organisiert; die Landeskoordination in Sachsen-Anhalt liegt beim Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt. Dieses Wahlergebnis zeigt deutlich: junge Menschen wählen in großer Mehrheit demokratische Parteien, aber ihr Vertrauen in die bisher regierenden Parteien schwindet, die Zukunft des Landes jugendgerecht zu gestalten – die Politik muss um junge Menschen werben, mit glaubhafter Ansprache und relevanten Angeboten.

Das Ergebnis der U18-Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Insgesamt wurden 3.123 Stimmen in 62 selbstorganisierten Wahllokalen abgegeben. Zur Wahl standen dieselben 15 Parteien wie zur bevorstehenden Landtagswahl am 6. September auf dem Stimmzettel. Die Partei Die Linke hat dabei mit 31 Prozent des Gesamtergebnisses die meisten Stimmen der teilnehmenden jungen Menschen erhalten. Danach folgen die AfD mit 22,1 Prozent, Bündnis 90/Die Grünen mit 12,7 Prozent, die SPD mit 8,7 Prozent und die CDU mit 6,6 Prozent. Die landesweiten und lokalen Ergebnisse der U18-Landtagswahl Sachsen-Anhalt sind auf der U18-Website in mehreren Darstellungen einsehbar und stehen in verschiedenen Dateiformaten als Download zur Verfügung.

Was junge Menschen bewegt

Junge Menschen wollen die Zukunft Sachsen-Anhalts gestalten: mit Ideen, Engagement und Mut. Wahlergebnisse alleine erklären nicht, welche Erfahrungen, Sorgen und Erwartungen hinter einer Wahlentscheidung stehen. Einen Einblick geben die Anliegen, die junge Menschen aus ganz Sachsen-Anhalt in einem mehrjährigen Beteiligungsprozess selbst als konkrete Forderungen zur Landtagswahl 2026 formuliert haben. Sie reichen von einem zuverlässigen und bezahlbaren ÖPNV über bessere psychotherapeutische Angebote und kostenloses Schulessen bis hin zu mehr Möglichkeiten, politische Entscheidungen mitzugestalten. Damit zeigen sie sehr konkret, welche Themen ihren Alltag prägen und wo sie Veränderungen von der Landespolitik erwarten.

Deutliche Mehrheit junger Menschen wählt zur U18-Wahl demokratisch

Die deutliche Mehrheit der jungen Menschen, die sich an der U18-Wahl in Sachsen-Anhalt beteiligt haben, hat ihre Stimme demokratischen Parteien gegeben. Dass die Partei Die Linke die meisten Stimmen erhalten hat, zeigt, dass die teilnehmenden jungen Menschen eigene politische Schwerpunkte setzen. Junge Menschen sind eine heterogene Gruppe mit vielfältigen Interessen und Einstellungen. Oft wird nur über sie gesprochen, sie selber werden jedoch kaum gefragt oder gehört, ihre Vielstimmigkeit kommt selten zur Geltung.

„Das U18-Wahlergebnis zeigt: die jungen Menschen, die an U18 teilgenommen haben, trauen den aktuell in Sachsen-Anhalt regierenden Parteien weniger zu, die Zukunft des Landes jugendgerecht zu gestalten. Wir brauchen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Herausforderungen, Interessen und Forderungen junger Menschen - sie ist längst überfällig. Alle demokratischen Parteien sind in der Pflicht, in den kommenden Jahren das Vertrauen der jungen Menschen wiederzugewinnen und dafür überzeugende Angebote zu machen“ sagt Wendelin Haag, Vorsitzender des Deutschen Bundesjugendrings.

Wir stellen fest, dass 22,1 Prozent – deutlich weniger als bei den Wahlberechtigten über 18 Jahren laut den aktuellen Umfragen - der jungen Menschen mit der AfD eine Partei gewählt haben, die seit 2023 in Sachsen-Anhalt durch den Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft ist. Die Bestrebungen dieser Partei missachten die Würde des Menschen und die demokratischen Prinzipien unserer Gesellschaft und unseres Staates: Die AfD will einen rassistisch-völkischen Staat, sie ist muslimfeindlich und ihre Vertreter*innen verbreiten antisemitische Erzählungen; sie strebt die Abschaffung der gegenwärtigen parlamentarischen Demokratie an und richtet sich gegen das Demokratieprinzip aus Art. 20 Abs. 1 Grundgesetz; sie kooperiert mit rechtsextremen Organisationen und hat personelle Überschneidungen bis in die Neonazi-Szene.

Die Jugendverbände und -ringe sehen ihre Aufgabe darin, auch junge Menschen zu erreichen, die offen für Angebote der rechtsextremen AfD sind. Diese Herausforderung erfordert eine öffentliche Unterstützung und Förderung. Die Jugendverbände und -ringe im Bundesjugendring treten für Demokratie, Sozial- und Rechtsstaatlichkeit sowie unveräußerliche Menschenrechte ein. Sie stehen für die Gleichberechtigung aller Geschlechter, Inklusion, ein friedliches Miteinander der Religionen, soziale Rechte und Gerechtigkeit, Umweltschutz, ein demokratisches und soziales Europa, Frieden sowie eine solidarische Gesellschaft. Dem steht die AfD unvereinbar gegenüber. Wir betrachten sie vor diesem Hintergrund als eine menschen- und jugendfeindliche Partei und fordern seit 2024, die Prüfung der Verfassungswidrigkeit der Partei einzuleiten.

Politik betrifft junge Menschen. U18 macht Mut, Politik mitzugestalten.

Die Kinder- und Jugendwahl U18 ist eine der größten Initiativen der außerschulischen politischen Jugendbildung in Deutschland: offen, niederschwellig und selbstorganisiert. U18-Wahllokale werden in Jugendverbänden, Jugendgruppen, Jugendtreffs, auf Spielplätzen, in Feuerwachen, Bibliotheken, Gemeindehäusern oder an Schulen eingerichtet. Junge Ehrenamtliche organisieren Workshops, Diskussionen und weitere Aktivitäten rund um die Wahl; Kinder und Jugendliche setzen sich dabei mit politischen Themen und mit demokratischen Prozessen auseinander. So macht U18 junge Stimmen sichtbar und belebt die Demokratie durch Engagement und frische Perspektiven.

Herzlichen Dank an alle Beteiligten der U18-Wahlen

Der Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt als die für die Durchführung dieser U18-Wahlen verantwortliche U18-Landeskoordination und der Deutsche Bundesjugendring bedanken sich herzlich bei allen, die die Wahllokale vor Ort organisiert und unterstützt haben, den jungen Ehrenamtlichen, Jugendverbänden, Gruppen und Vereinen, die sich für die demokratische Teilhabe junger Menschen einsetzen und die U18-Wahl durchgeführt haben.

Die überwiegend ehrenamtlich ermöglichen U18-Wahlen werden durch ein Unterstützernetzwerk sowie durch Koordinierende in den Bundesländern, Regionen und zum Teil in Kommunen beraten, vernetzt und unterstützt. Alle die U18 unterstützen und durchführen sind überzeugt: Junge Menschen müssen sich in demokratische Wahlen einbringen können. Politische Jugendbildung braucht selbstbestimmte Freiräume für junge Menschen. Dafür braucht es die politische Unterstützung sowie den Schutz der demokratischen Zivilgesellschaft. Auf Bundesebene wird die U18-Wahl durch das Bundesjugendministerium gefördert. Die U18-Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet mit freundlicher Unterstützung des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, des Landesprogrammes "#Wir sind das Land" und der Stiftung Demokratische Jugend statt.

Weitere Informationen und Rückfragen:

Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt (U18-Landeskoordination)

Martin Gneist
Telefon: 0391/289232 83
E-Mail: u18@kjr-lsa.de
Internet: www.kjr-lsa.de
Instagram: Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt (@kjr-lsa)

Deutscher Bundesjugendring (U18-Bundeskoordination)

Matthias Starz, Bereich Medien & Kommunikation des Deutschen Bundesjugendrings
Telefon: 030/40040-412
E-Mail: medien@dbjr.de
Internet: www.dbjr.de
Instagram: Deutscher Bundesjugendring (@dbjr.de)