Ergebnisse der Denkwerkstätten auf der Fachveranstaltung „Mit Qualität beteiligen“
Anbei ein Überblick der wesentlichen Erkenntnisse aus den vier Denkwerkstätten. Visualisiert wurden die Ergebnisse in einem Graphic Recording: Zum Download
1. Koordinierungsstellen & Projekte mit jugendverbandlich organisierten jungen Menschen
In dieser Denkwerkstatt wurde besonders der Wert von transparenten Rahmenbedingungen, hauptamtlicher Koordinierung und strukturelle Unterstützung für eine gelingende Beteiligung hervorgehoben. Eine Projektstruktur mit klaren Zielen und kontinuierlichen Kommunikationsflüssen sowie ein strukturierter Wissenstransfer sind für den langfristigen Erfolg von Beteiligungsprojekten entscheidend.
Herausforderungen sind begrenzte Projektlaufzeiten und Ressourcenknappheit, die die Qualität der Beteiligungsprozesse beeinträchtigen können. Eine klare Stärke von Formaten der Beteiligung verbandlich organisierter junger Menschen ist der strukturierte Austausch, der zwischen Jugendverbänden stattfindet. Hierdurch können Aktivitäten gebündelt und Synergien gefördert werden. Durch die Beteiligung über die Jugendverbände werden demokratisch legitimierte Positionen in die Politik eingebracht, was Vertrauen und Nachhaltigkeit stärkt. Ein gelungenes Beispiel ist die Koordinierungsstelle Jugendbeteiligung in Klimafragen.
2. Jugenddelegiertenformate
Diese Denkwerkstatt widmete sich der Weiterentwicklung von Jugenddelegiertenformaten. Sie bieten großes Potenzial für wirksame Beteiligung, stehen jedoch unter hohem strukturellem und persönlichem (Belastungs-)Druck. Klare Ziele, bessere Rahmenbedingungen sowie Schutz und Anerkennung sind zentrale Stellschrauben für ihre Weiterentwicklung.
Es wurde betont, dass eine klare Rollenklärung für den Erfolg eines Jugenddelegiertenprogramms notwendig ist. Hierzu gehören ein verbindliches On- und Offboarding, gutes Wissensmanagement und die Möglichkeit von Feedback- und Evaluationsstrukturen. Um die Qualität und Wirkung dieser Formate langfristig zu sichern, stehen die Träger in der Verantwortung. Einheitliche Standards zwischen unterschiedlichen Jugenddelegiertenprogrammen und eine bessere Finanzierung stehen noch aus, um die Programm attraktiver zu machen – auch um soziale Hürden für das Engagement abzubauen.
3. Ad-hoc-Beteiligungsformate mit begrenzten Ressourcen
In dieser Denkwerkstatt wurden kurzfristige und ressourcenarme Beteiligungsformate thematisiert. Während die flexible und punktuelle, niedrigschwellige Beteiligung jungen Menschen in ihren Lebensrealitäten entgegen kommen mag, bedarf es dennoch einer strukturierten fachlichen Unterstützung und Begleitung. Mangelnde Planung, Intransparenz und unklare Zielsetzungen können die Qualität und Nachhaltigkeit solcher ad-hoc Formate gefährden. Eine Verzahnung zu langfristigen Beteiligungsprozessen, sowie die kritische Reflexion wann und ob ein solches Format sinnvoll ist, sind elementar für eine wirksame Jugendbeteiligung.
Wichtig ist zudem, dass die Beteiligung in Dialogformaten zu Themen stattfindet, zu denen sich junge Menschen auch beteiligen wollen und nicht nur eine Beteiligung stattfindet, weil das Thema gerade aktuell ist und behandelt werden muss. Besonders für Minderjährige müssen in diesen Kontexten Schutzstrukturen noch weiter ausgearbeitet werden.
4. Wissenswertes für Mitarbeitende aus Bundesministerien
In der letzten Denkwerkstatt wurde die Perspektive der Mitarbeitenden aus den Bundesministerien thematisiert, die an der Entwicklung und Umsetzung von Jugendbeteiligungsprozessen beteiligt sind. Hier wurde vor allem betont, dass es kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem beim Thema Jugendbeteiligung gibt. Die Teilnehmenden ermutigten sich, mit niedrigschwelligen Formaten zu beginnen und verstärkt in den Erfahrungsaustausch miteinander zu gehen.
Typische Herausforderungen in Bundesministerien sind hier befristete Projektlogiken, die eine nachhaltige Beteiligung erschweren, sowie die fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten auch außerhalb von projektförmigen Beteiligungsformaten. Elementar ist auch die Haltung und Offenheit der Mitarbeitenden Jugendbeteiligung gegenüber (Mehrwert statt Zusatzaufgabe), womit die Bereitschaft Entscheidungsmacht und Gestaltungsspielraum abzugeben einhergeht.
Was in den Bundesministerien fehlt um Jugendbeteiligung nachhaltig und wirksam zu verankern, sind ressortübergreifende Strukturen und systematische Evaluationen.
Die Ergebnisse im Graphic Recording zum Download
Jede Denkwerkstatt identifizierte Kernelemente und spezifische Herausforderungen für die Weiterentwicklung der Jugendbeteiligung auf Bundesebene. Großer Wert lag auf der Qualität der Prozesse, die durch Ressourcen und transparente Rahmenbedingungen maßgeblich mitbestimmt werden. Die vielfältigen Perspektiven der Teilnehmenden aus Jugendverbänden, Ministerien und Fachpraxis bereicherten die Diskussionen und trugen maßgeblich zur Weiterentwicklung der Qualitätsstandards bei. Die Veröffentlichung der ausformulierten schriftlichen Anwendungsqualifizierung auf der Website der Qualitätsstandards (www.standards.jugendbeteiligung.de) erfolgt zeitnah.