Gemeinsame Sitzung der Arbeitsgruppen Europäische Jugendpolitik und Internationale Jugendpolitik

Die AG Europäische Jugendpolitik und die AG Internationale Jugendpolitik des Bundesjugendrings haben am 17. Juli 2026 digital gemeinsam getagt. Die Sitzung rückte vor allem praktische Herausforderungen für die europäische und internationale Jugendarbeit in den Mittelpunkt.

Im Austausch wurde sichtbar, wie viel Engagement, Erfahrung und Verantwortung in der europäischen und internationalen Jugendarbeit steckt. Zugleich wurde deutlich, dass viele Träger nach den pandemiebedingten Unterbrechungen weiterhin vor Herausforderungen stehen. Denn über mehrere Jahre konnten internationale Begegnungen nur eingeschränkt oder gar nicht stattfinden, wodurch Erfahrungswissen, Routinen und persönliche Zugänge teilweise verloren gegangen sind. Viele junge Menschen hatten in dieser Zeit kaum Gelegenheit, internationalen Austausch selbst zu erleben und daraus Motivation für eigenes Engagement zu entwickeln. Die Arbeitsgruppen werden sich deshalb weiter damit befassen, wie neue und bestehende Träger bestärkt und unterstützt werden können, Begegnungen (wieder) aufzubauen, Partnerschaften weiterzuentwickeln und organisatorische Sicherheit zu gewinnen. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie vorhandenes Wissen geteilt, neue Aktive begleitet und die europäische und internationale Jugendarbeit gemeinsam weiter gestärkt werden kann.

Als weitere gemeinsame Herausforderung wurden knapper werdende Fördermittel für internationale Begegnungen benannt. Gleichzeitig steigen Lebenshaltungs-, Reise- und Programmkosten spürbar. Für Träger europäischer und internationaler Jugendarbeit bedeutet das: Begegnungs- und Austauschformate werden aufwendiger zu planen, weil zunehmend zusätzliche Drittmittel eingeworben werden müssen. Eigenanteile werden zugleich schwerer tragbar, denn Kostensteigerungen können nicht über eine Erhöhung der Teilnehmendenbeiträge abgefangen werden. Die Arbeitsgruppen machten deutlich, dass internationale Jugendarbeit verlässliche und auskömmliche Förderung braucht, damit Begegnungen dauerhaft möglich bleiben.

Ein weiterer Schwerpunkt der Sitzung lag auf Visa-Problemen. Berichtet wurde von langen Wartezeiten auf Botschaftstermine, komplizierten Online-Verfahren, kurzfristigen Ablehnungen trotz vollständiger Unterlagen, zusätzlichen Gebühren sowie fehlender Kenntnis externer Servicepartner*innen der Konsulate über jugendverbandliche Anforderungen. Die Aussetzung beziehungsweise Abschaffung bisheriger Nachprüfungswege (Remonstrationsverfahren) verschärft aus Sicht der Träger die Lage zusätzlich. Nachbesserungen sind kaum noch möglich, Ablehnungen gefährden ganze Begegnungen, und Träger müssen erheblich mehr Beratung und Begleitung leisten. Die Arbeitsgruppen hielten fest, dass Herausforderungen bei der Antragstellung von Visa für den Jugendaustausch ein Dauerbrenner-Thema bleiben. Sie binden Personalressourcen bei Trägern und Förderstrukturen und verursachen zusätzliche Kosten. Entscheidend ist in vielen Verfahren die glaubhafte Rückkehrplausibilität. Aus Sicht der Arbeitsgruppen spielt dabei auch die Einbindung junger antragstellender Menschen in verbandliche Strukturen eine wichtige Rolle. Diese wird im Antragsprozess jedoch häufig nicht ausreichend berücksichtigt.

Ein weiterer Schwerpunkt der Sitzung war der Austausch zu Friedensarbeit in der europäischen und internationalen Jugendarbeit. Dabei wurde die Verbindung zu den neuen EU-Jugendzielen hergestellt. Der DBJR konnte erste Erkenntnisse aus der Umfrage in den Mitgliedsorganisationen teilen: Frieden und Sicherheit werden aus jugendverbandlicher Perspektive bewusst breit verstanden. Neben Fragen von Krieg, Gewalt und Sicherheitspolitik ging es auch um gesellschaftlichen Frieden, demokratischen Zusammenhalt, Resilienz, soziale Sicherheit, Dialogfähigkeit und die Fähigkeit, Konflikte friedlich auszutragen. Die Teilnehmenden berichteten aus unterschiedlichen Verbandsperspektiven, dass Friedensarbeit in der Jugendverbandsarbeit sehr verschieden verankert ist. Während einige Strukturen Friedensarbeit als zentrales europäisches oder internationales Thema bearbeiten, steht sie bei anderen eher in einzelnen Landesstrukturen, Projekten oder konkreten Partnerschaften im Vordergrund. Zugleich wurde deutlich, dass aktuelle Kriege und Krisen innerverbandliche Debatten verschärfen und friedenspolitische Positionierungen herausfordernder machen. Als wichtige Praxisfelder wurden internationale Begegnungen, Austausch mit Partnerstrukturen in Konflikt- und Krisenregionen, friedenspädagogische Materialien, politische Gespräche, Solidaritätsaktionen sowie Bildungsangebote zu Frieden und Sicherheit benannt. Dabei wurde betont, dass Friedensarbeit nicht nur nach außen gerichtet sein darf. Auch innerhalb von Jugendverbänden, Gesellschaften und europäischen Demokratien braucht es Räume für Dialog und Konfliktbearbeitung.

Die Arbeitsgruppen hielten fest, dass Europäische und Internationale Jugendarbeit verlässliche Rahmenbedingungen braucht, um demokratische Teilhabe und internationale Solidarität langfristig zu ermöglichen. Dazu gehören auskömmliche Förderung, transparente Visa-Verfahren, starke Trägerstrukturen und niedrigschwellige Unterstützung für Organisationen, die internationale Begegnungen neu aufbauen oder nach pandemiebedingten Unterbrechungen wiederbeleben wollen.