Jugendverbände

Jugendpolitik kurz und knapp im November 2021

Unser DBJRinfo (vom 16.11.2021) bündelt jugendpolitische Nachrichten und Entwicklungen. Wir geben Hinweise auf Veranstaltungen und Materialien.

JUGENDPOLITIK

Jugend-Studie zur Verbreitung islamfeindlicher Einstellungen

Seit Januar 2020 ist die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej) Partner im „Kompetenznetzwerk Islam- und Muslimfeindlichkeit“ und stellt sich damit gegen die anhaltend hohe Islamfeindlichkeit. Mit einer aktuellen Jugend-Studie zur Verbreitung islamfeindlicher Einstellungen unter Jugendlichen hat die aej eine repräsentative Vorurteilsstudie im Jugendalter vorgelegt, die zugleich auf religiöse Orientierungen und Engagement fokussiert, was bisher eine Forschungslücke darstellte.
Die Studie belegt eine geringere Vorurteilsbehaftung der befragten Jugendlichen gegenüber bisherigen Studien des Erwachsenenalters. Als wichtigste Faktoren, die mit einer Zustimmung zu islamfeindlichen Aussagen in Zusammenhang stehen, ermittelt die Studie in erster Linie das Gefühl, keinen Einfluss auf demokratische Prozesse zu haben. In geringerem Maß gilt entsprechendes auch für eine stark ausgeprägte Religiosität, insbesondere für ein exklusives Religionsverständnis. Faktoren, die die Zustimmung zu Vorurteilen verringern, sind die allgemeine Zufriedenheit mit dem demokratischen System, die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht sowie eine höhere Bildung der Eltern.

Vollversammlung des Landesjugendrings Hamburg wählt neuen Vorstand

Der Landesjugendring Hamburg hat in einer Vollversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Nach dem Ausscheiden von Sören Behn, Pascal Peisker und Natalie Hischke aus dem Vorstand wurden Fatih Ayanoğlu (SJD – Die Falken) und Michael-J. Gischkat (Hamburger Sportjugend) wiedergewählt sowie Maja Reifegerst (Evangelische Jugend Hamburg) und Destina Ücdemir (Alevitische Jugend Hamburg) neu hinzugewählt. Außerdem stimmte die Vollversammlung der Aufnahme der BUNDjugend Hamburg und des Internationalen Jugendvereins Hamburg zu. „Die Sichtbarkeit der Jugendverbandsarbeit und der Interessen junger Menschen in der Stadt und Landespolitik zu erhöhen“, so Michael-J. Gischkat, „bleibt das vorrangige Ziel unserer Vorstandstätigkeit“.

Vorstandswahlen bei der Deutschen Chorjugend

Die Deutsche Chorjugend hat ihre Vorsitzenden und den Politikvorstand während der Mitgliederversammlung gewählt. Die Wahlen des Politikvorstands und einer der beiden Vorsitzpositionen wurden von Abschiedsworten des scheidenden Politikvorstands Tobias Borho begleitet. Mira Faltlhauser ist nach einem Jahr Vorstandsarbeit erneut als Vorsitzende gewählt worden. Marcel Schmalz (23) wurde als Politikvorstand gewählt. In Workshops wurden Themen wie Partizipation im Kinderchor, Virtuelle Chorwelt oder Chorsingen lehren vertieft und jugendpolitische Positionen zur U18-Wahl und zum Thema Chöre als sichere Räume verabschiedet.

BJR-Forderung: Jugendarbeit muss trotz Pandemie niederschwellig bleiben.

Jugendarbeit muss trotz gebotener pandemiebedingter Einschränkungen niedrigschwellig bleiben und weiter möglich sein. Der Landesvorstand des Bayerischen Jugendrings (BJR) hat eine Entschließung zur Situation von Kindern und Jugendlichen verabschiedet. Anlass ist die aktuelle Diskussion über die Änderung des Infektionsschutzgesetzes (IFSG) im Hauptausschuss des Deutschen Bundestags. In der Entschließung formuliert der BJR Forderungen aufgrund der Bedürfnisse und Rechte junger Menschen sowie zur Unterstützung und Rechtssicherheit für die Jugendarbeit an Politik und Verwaltung in Bayern. Zum Wortlaut der Forderung.

Acht Forderungen junger Geflüchteter

Der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF) e.V. und Jugendliche ohne Grenzen (JoG) haben eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Sie stellen fest: Die Politik der letzten Jahre unter Führung der Großen Koalition war geprägt durch zahlreiche Asylrechtsverschärfungen, die drastische Auswirkungen auf das Leben von geflüchteten jungen Menschen haben. Gleichzeitig hat sich eine zunehmende Verschiebung des politischen Diskurses vollzogen. Statt Menschen- und Kinderrechte in den Fokus zu rücken, werden Fragestellungen zu Flucht und Migration fast ausschließlich unter sicherheitspolitischen Aspekten diskutiert. Das Papier enthält acht konkrete Forderungen:

  1. Recht auf Asyl stärken und faire Asylverfahren gewährleisten
  2. Bleiberecht statt Abschiebu
  3. Unkomplizierte Ermöglichung von Familienzusammenführungen – für alle
  4. Berücksichtigung der Rechte und Bedarfe geflüchteter Jugendlicher im SGB VIII
  5. Wirksame Strategien gegen Rassismus und Mehrfachdiskriminierungen
  6. Gute Bildung von Anfang an – auch für geflüchtete Kinder und Jugendliche
  7. Recht auf Wohnen für junge, geflüchtete Menschen und ihre Familien
  8. Schluss mit Menschenrechtsverletzungen an den EU-Außengrenzen

Direktorium der Bundesstiftung Gleichstellung berufen

Lisi Maier und Dr. Arn Sauer traten zum 1.11.2021 ihre Ämter als Direktorin und Direktor der Bundesstiftung Gleichstellung an. Nachdem die Stiftung im Mai 2021 per Gesetz errichtet wurde, nimmt damit das geschäftsführende Organ der Stiftung seine Arbeit auf. Lisi Maier war bis Oktober 2021 Vorsitzende des DBJR und gleichstellungspolitisch auf Bundesebene und im europäischen Kontext aktiv. Sie sagt: „Die Bundesstiftung Gleichstellung will ich zusammen mit meinem Ko-Direktor zu einer starken Wissens-, Beratungs- und Vernetzungsstruktur für und mit Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft aufbauen. Vor diesem Hintergrund wollen wir auch die Bundesregierung bei der Umsetzung und dem Ausbau ihrer ressortübergreifenden Gleichstellungsstrategie beraten und gemeinschaftlich neue Ideen entwickeln, um einen gesamtgesellschaftlichen Kulturwandel anzustoßen“.


MATERIAL, VERANSTALTUNGEN und WETTBEWERBE

Interaktive Wanderausstellung „Ausgetauscht“ des DFJW

Vor 10 Jahren entwickelte das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) mit seinen Partnerorganisationen eine Zertifizierung in drei verschiedenen Teamer*innen-Ausbildungen und eröffnete eine Teamer*innen-Datenbank. Damit interkultureller Austausch gelingt, braucht es gut ausgebildete Teamer*innen. Die interaktive Wanderausstellung „Ausgetauscht. 10 Jahre DFJW-Zertifikate für Teamer*innen“ informiert darüber, evaluiert die Ausbildungen sowie ihre Wirkungen, und lässt Teamer*innen und Ausbilder*innen zu Wort kommen. Die Wanderausstellung kann ab Mitte Dezember 2021 bis Juni 2022 ausgeliehen werden. Weitere Informationen unter https://zehnjahrezertifikate.dfjw.org

Entwicklung eines MOOC im Jugend-Verbraucher-Dialog

Das IJAB-Projekt „Jugend-Verbraucher-Dialog“ will jugendgerechte Verbraucherschutzinformationen bereitstellen und junge Menschen daran beteiligen, neue Informationskanäle für Verbraucherinformationen aufzubauen und sie mit Inhalten zu füllen. Während zwei eintägiger Online-Workshops sollen junge Menschen Ideen für die Themen, Inhalte und einzelne Elemente des Online-Kurses (MOOC) entwickeln. Dabei werden sie von einem professionellen Design-Thinking-Coach sowie einer Medienpädagogin begleitet. Der MOOC-Entwicklungsworkshop wird am 26.11.2021 und 10.12.2021 jeweils von 14:00 bis 18:00 Uhr online stattfinden und richtet sich an alle jungen Menschen zwischen 16 und 23 Jahren, die sich für Themen rund um den Verbraucherschutz interessieren und gerne neue Impulse setzen.
Die Anmeldung ist bis 25.11.2021 möglich.

Handbuch Qualifizierte Jugendarbeiter*innen für Europa

Im Rahmen des Förderprogramms Erasmus+ startete Anfang 2019 die strategische Partnerschaft zwischen dem Forschungsprojekt „Jugendarbeit mit Perspektive (JumP)“ der Hochschule Kempten und der Ge-schäftsstelle „Zertifizierte Ausbildungsqualität für die Kinder- und Jugendarbeit (aufZAQ)“ in Wien. Unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Nick lief das gemeinsame Projekt „Qualifizierte Jugendarbeiter*innen für Europa“ bis Ende März 2021.  Erarbeitet wurde ein englisch- und deutschsprachiges Handbuch, das die Themen Transparenz und Anerkennung von Kompetenzen von Jugendarbeiter*innen verständlich erklärt und Wege zu deren Realisierung aufzeigt. Eine wesentliche Grundlage des Handbuchs ist das „Qualifikationsprofil Jugendarbeit“, das an der Hochschule Kempten entwickelt wurde. Das Handbuch steht als PDF zum Download zur Verfügung. Auf Anfrage an projekt-jump@hs-kempten.de kann es auch in einer Printversion versendet werden - kostenlos und solange der Vorrat reicht.

An der Hochschule Kempten existiert außerdem die Mediathek Jugendarbeit (https://mediathek-jugendarbeit.de/), die im Rahmen eines Forschungsprojektes ins Leben gerufen wurde. Mit der Mediathek soll besonders Jugendarbeit im hochschulischen Kontext sichtbar gemacht werden.

Bürger*innendialog des BMJV zum nachhaltigren Konsum

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) plant am 24.-25.11.2021 jeweils von 16.00-19.00 Uhr einen virtuellen Bürgerdialog zu Nachhaltigem Konsum. Ziel ist, die Anliegen und Ideen der Bürger*innen zum Thema zu sammeln, über ihre Erwartungen an die Politik ins Gespräch zu kommen und konkrete Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Informationen und eine Bewerbung um die Teilnahme ist möglich.

Virtueller Bibliographiedienst zu sexualisierter Gewalt in pädagogischen Kontexten 

Im Verbundprojekt „ParPEM - Partizipation, Praxisbezug, Ethik und Monitoring in der Förderlinie Sexualisierte Gewalt in pädagogischen Kontexten“ als Metavorhaben von 07/2018 bis 06/2021 der zweiten BMBF-Förderlinie „sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in pädagogischen Kontexten“ ist in einem der Teilprojekte ein deutschsprachiges Literatur-Monitoring zur Forschungslandschaft sexualisierter Gewalt durchgeführt. Dies knüpft an das englischsprachige Monitoring aus dem vorherigen Verbundprojekt „ProPEM“ an. Der virtueller Bibliographiedienst zu sexualisierter Gewalt in pädagogischen Kontexten beabsichtigt, den Publikationszeitraum von 01/2015 bis 06/2021 strukturiert abzubilden, zudem eine direkte Einsicht auf einige Abstracts zu ermöglichen, Hinweise auf Open Access Veröffentlichungen sicherzustellen und über Kategorien sowie Schlagwörter eine themenspezifische Recherche zu realisieren. 
Online Zugriff zum englisch- und deutschsprachigen Monitoring:  www.forschungsnetzwerk-gegen-sexualisierte-gewalt.de/Virtuelle-Bibliographie/

18. Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag 2025 in Leipzig

Der 18. Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag (DJHT) wird vom 13.-15.05.2025 in Leipzig stattfinden. Dies hat der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ beschlossen. Die Geschäftsführerin der AGJ, Franziska Porst, erklärt: „Die AGJ ist überzeugt, mit dieser Wahl einen hervorragenden Austragungsort für den 18. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag gefunden zu haben. Mit der Stadt Leipzig und dem Land Sachsen als Partnern, aber auch mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als weiterem Zuwendungsgeber, werden wir die Erfolgsgeschichte des größten Jugendhilfegipfels in Europa fortschreiben können.“ Die Stadt Leipzig hatte bereits im Oktober 2020 mit einem Beschluss des Stadtrats, den 18. DJHT nach Leipzig zu holen, den Weg für die Entscheidung der AGJ geebnet. Leipzig wird damit zum zweiten Mal in der Geschichte von Jugendhilfetagen Austragungsort eines DJHT. Bereits im Jahr 1996 war sie Gastgeberin des 10. DJHT, der unter dem Motto „Jugend Macht Zukunft“ stand.

Studie zu „Online-Interaktionsrisiken“ aus Sicht von Kindern

Kinder und Jugendliche brauchen in Social-Media-Angeboten und Online-Games Maßnahmen, die sie vor Interaktionsrisiken wie Mobbing und Cybergrooming schützen. Damit solche Maßnahmen ihre Wirkung entfalten, müssen sie an die subjektiven Bewältigungsstrategien der Kinder und Jugendlichen angepasst sein. Die Studie „Online-Interaktionsrisiken aus der Perspektive von Neun- bis Dreizehnjährigen“ geht der Frage nach, wie Heranwachsende, die Social-Media-Angebote oder Online-Games nutzen, mit Risiken der Online-Interaktion umgehen. Die qualitative Studie hat das JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes erstellt. Sie kann unter www.dkhw.de/studie-online-interaktionsrisiken heruntergeladen werden. 

Seminar zu Methoden des Globalen Lernens

Methoden des Globalen Lernens sind ein wirksames Instrument in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit. In einem dreitägigen Seminar werden Methoden des Globalen Lernens zum Thema „Fairer/ethischer Konsum“ behandelt (Lebensmittelverschwendung, Plastikmüll, Konfliktmineralien, Umweltverschmutzung, Fast Fashion, Ökologischer Fußabdruck, Postwachstumsökonomie, Buen Vivir etc.). Das Seminar soll Teilnehmer*innen befähigen, Methoden anleiten und anschließend eine Gruppendiskussion führen zu können. Die erworbene Methodenkompetenz und das thematische Fachwissen sollen im Anschluss an das Seminar bei diversen Bildungsveranstaltungen angewandt werden, um die Öffentlichkeit im Bereich „Fairer Konsum“ zu sensibilisieren (Einsätze z.B. in Schulklassen, Uni-Seminaren, Jugendzentren, Sportvereinen, privater Umkreis). Weitere Informationen und Termine.

Themen: Jugendverbände