Kiko-Fachgespräch zu Forderungen junger Menschen an eine Aufarbeitung der Corona Pandemie
Im Gespräch legte DBJR-Vorsitzender Haag den Fokus auf vier Kernforderungen: die Berücksichtigung außerschulischer Bildungsorte in Krisenzeiten, die institutionelle Verankerung der Teilhabe junger Menschen in Ausnahmesituationen, die Stärkung psychologischer Angebote als Folge der Pandemie sowie die Sicherstellung digitaler Teilhabe für junge Menschen.
„Der Blick auf junge Menschen während der Corona-Pandemie hat sich zu stark auf ihre Rolle als Schüler*innen, Studierende und Auszubildende konzentriert und zu wenig auf sie als Individuen mit eigenen Bedürfnissen. Ihr Leben außerhalb des formalen Bildungssystems und damit auch ihr reguläres außerschulisches Engagement musste zurückstecken“, so Haag in seiner Eröffnungsanalyse. Er stellte daraufhin die Bedeutung individueller Freiräume für junge Menschen in den Mittelpunkt seiner Forderungen, die Angebote von Jugendverbänden in Krisenzeiten aufrecht zu erhalten und die Interessen junger Menschen mindestens so stark zu berücksichtigen, wie die anderer Generationen. Dies bedeute, dass Spielräume für diejenigen, die vor Ort mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, offen gehalten werden müssen, da Fachkräfte in Jugendverbänden und der Kinder- und Jugendhilfe durch ihren stetigen Austausch mit jungen Menschen deren Bedürfnisse in Krisen gut einschätzen können.
Haag betonte zudem die Notwendigkeit einer „strukturellen und krisenfesten“ Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an politischen Prozessen. Hierbei seien Fachstellen mit umfassender Expertise, wie die Fach- und Koordinierungsstelle Jugendbeteiligung beim Deutschen Bundesjugendring, gezielt einzubeziehen, um qualitätsvolle Beteiligungsstrukturen zu etablieren, die auch unter außergewöhnlichen Bedingungen funktionsfähig sind. Nur so könnten junge Menschen direkt gehört und beteiligt werden, was gerade in Krisenzeiten essenziell sei.
Vor dem Hintergrund der psychischen Belastung nach und während der Pandemie forderte Haag, die Arbeit in denen für Gesundheits- und Jugendpolitik primär zuständigen Ministerien und Ausschüssen enger zu verzahnen und „Jugendpolitik als Querschnittsaufgabe“ zu verstehen. Darüber hinaus müsse die psychologische Versorgung junger Menschen nachhaltig verbessert und die bestehenden Jugendverbandsstrukturen gestärkt werden, da diese als Orte der Gemeinschaft wesentlich zur Förderung der Resilienz junger Menschen beitragen.
Abschließend wies Haag auf die Bedeutung digitaler Räume für die soziale Vernetzung junger Menschen während der Corona-Pandemie hin. Die Einschränkung der digitalen Teilhabe junger Menschen werde dem Potenzial dieser Räume nicht gerecht. Vielmehr müsse die Wichtigkeit digitaler Teilhabe in Krisenzeiten mitgedacht werden, wobei das Prinzip „Safety by Design“ sicherzustellen ist.
„Was wir gemeinsam tun können, ist, dass Jugendbeteiligung krisenfest ist, dass Psychotherapieplätze ausreichend zur Verfügung stehen, dass Jugendbildungsstätten, Jugendhäuser und andere Lebensorte junger Menschen existieren und dass Freiräume gestärkt werden. Jugendverbände sind Regelstrukturen im Alltag junger Menschen. Das kommt dann ganz konkret im Alltag der Kinder und Jugendlichen an“, schloss Haag.
Der Deutsche Bundesjugendring bedankt sich beim Kiko-Vorsitzenden Michael Hose (CDU) und den anderen Abgeordneten der demokratischen Fraktionen für die beiden konstruktiven, fachkundigen und sehr relevanten Sitzungen der Kinderkommission in diesem Jahr. Im Interesse junger Menschen wertet es der DBJR als richtiges Signal, dass der Fokus der Enqeute-Kommission zuerst Kindern und Jugendlichen gilt und plädiert auch mit dem Blick auf aktuelle politische Debatten und förderpolitische Fragen sowie die Umsetzung des Koalitionsvertrages auf die Priorisierung der Interessen junger Menschen.