Mehr Geld, weniger Jugend: Der neue Erasmus+-Vorschlag der EU-Kommission – keine echte Jugendförderung für die Zukunft

Am 16.7.2025 hat die Europäische Kommission ihren Vorschlag für den mehrjährigen EU-Haushalt „MFR“ für den Zeitraum von 2028–2034 vorgestellt . Der Vorschlag der EU-Kommission hätte unmittelbare Folgen für das Erasmus+-Programm im Jugendbereich

Wir stellen hier drei wichtige vorgeschlagene Änderungen vor und ordnen ihre Auswirkungen ein

  1. Erasmus + Jugend besteht neben den deutlich größeren Bereichen der formalen Bildung und des Sports im Programm Erasmus +. Die derzeitige Erasmus+-Programmverordnung für 2021–2027 enthält ein eigenes Kapitel zum Jugendbereich. Dieses Jugendkapitel sieht vor, dass 10,3 % des Erasmus+-Budgets gezielt für den Jugendbereich verwendet werden – darunter Jugendorganisationen und non-formale Bildungsinitiativen. Es bildet die Grundlage für die Unterstützung des gesamten Jugendsektors – von der lokalen bis zur europäischen Ebene. Der neue Vorschlag der EU-Kommission zur Erasmus+-Verordnung würde dieses Jugendkapitel sowie die verbindliche Mittelbindung für den Jugendbereich streichen. Damit ist die Eigenständigkeit des Programms Erasmus + Jugend gefährdet.
     
  2. Der Entwurf des Mehrjährigen Finanzrahmens sieht eine Budgeterhöhung von derzeit 26 Mrd. EUR auf 40,8 Mrd vor. Ein Aufwuchs von 50% in den EU-Jugendprogrammen für die Jahre 2028-2034 wird dem Bedarf nicht gerecht und kann zur faktischen Kürzung werden. Großer Faktor für die Berechnung einer bedarfsgerechten Finanzierung ist die Inflation. Auf sieben Jahre betrachtet, würde der vorgeschlagene Aufwuchs um 50% bereits einen Großteil der Erhöhung für den Inflationsausgleich erfordern. Hinzu kommt, dass das Europäische Solidaritätskorps (ESK), das in der aktuellen Förderperiode ein eigenständiges Programm mit eigenem Budget ist, in das Erasmus + Budget übergeht. Dafür würde eine Mrd. der Erasmus + Jugend Gelder benötigt. Bei einer Integration des ESK und der Berücksichtigung des Inflationsausgleichs ist ein Aufwuchs von 50% aufgebraucht und weit vom Zielt entfernt, mehr junge Menschen mit dem Erasmus + Jugend Programm zu erreichen. Daher fordert das Europäische Jugendforum (YFJ) die Verfünffachung des Budgets – auf 130 Mrd. EUR. - damit weiterhin qualitative Jugendarbeit geleistet werden kann, die junge Menschen, unabhängig ihres sozialen Status erreicht.
     
  3. Die spezifischen Ziele der Erasmus+-Verordnung wurden deutlich zugunsten arbeitsmarktorientierter Kompetenzen formuliert. Zwar hat das Programm implizit einen positiven Einfluss auf die Kompetenzen junger Menschen, aber Erasmus+ Jugend ist kein arbeitsmarktpolitisches Instrument. Seine Zielsetzung basiert auf Werten wie Inklusion, Zusammenarbeit und lebenslangem Lernen. Wenn die Bildungs- und Demokratieziele einem formalen Kompetenzerwerb gleichgesetzt werden, werden junge Menschen mit dem Fokus als zukünftige Arbeitskräfte wahrgenommen – nicht als aktive Bürger*innen mit einer gestaltenden Rolle in der Gesellschaft. Dies untergräbt den Geist inklusiven Lernens und der Stärkung von Gemeinschaften – und könnte letztlich den Zugang für Jugendorganisationen zu Erasmus+ weiter erschweren.

Die Abschaffung des eigenständigen Jugendkapitels, das Fehlen einer verbindlichen Mittelbindung für Jugend, die geplante Verschmelzung mit dem Europäischen Solidaritätskorps (ESK) sowie die stärkere arbeitsmarktpolitische Ausrichtung stellen aus unserer Sicht einen Rückschritt dar – insbesondere im Hinblick auf Teilhabe, Inklusion und das Empowerment junger Menschen.

Nach Veröffentlichung des Kommissionsvorschlags beginnen nun die Verhandlungen zwischen den EU-Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament über die endgültige Fassung. Um den eigenständigen Jugendbereich zu retten und junge Menschen weiterhin zu unterstützen, fordern wir die Umsetzung der DBJR-Forderungen, die hier zu finden sind:

Position: Den mehrjährigen Finanzrahmen der EU jugendgerecht gestalten

Themen: Europäische Jugendpolitik