Österreichische Bundesjugendvertretung und DBJR tauschen sich in Berlin aus

Vom 30. Juni bis 2. Juli 2026 war eine Delegation der Bundesjugendvertretung Österreichs (BJV) beim Bundesjugendring in Berlin zu Gast. Der Besuch war der Rückbesuch einer Begegnung im Januar 2026 in Wien und bot Raum für Austausch zu politischer Bildung, Pflichtdiensten, Inklusion, digitaler Teilhabe und internationaler Jugendpolitik.

Im Mittelpunkt standen gemeinsame Herausforderungen der Jugendverbandsarbeit in Deutschland und Österreich. BJV und DBJR diskutierten, wie junge Menschen in politischen Debatten wirksamer beteiligt werden können und welche Rolle Jugendverbände als Orte demokratischer Bildung, Selbstorganisation und Interessenvertretung einnehmen.

Ein Schwerpunkt lag auf politischer Bildung. Der DBJR stellte U18 als bundesweites Projekt politischer Bildung vor, das jungen Menschen vor Wahlen ermöglicht, politische Meinungsbildung, Beteiligung und Wählen praktisch zu erleben. Diskutiert wurde, ob vergleichbare Formate auch für Jugendorganisationen und -initiativen in Österreich anschlussfähig sein könnten. Zudem ging es um den Mythos eines vermeintlichen Neutralitätsgebots und um die Frage, wie Jugendverbände auf Grundlage demokratischer Werte politische Bildung gestalten und junge Menschen in ihrer Urteils- und Handlungsfähigkeit stärken können. Die DBJR-Erhebung zu Jugendverbandsarbeit unter Druck machte deutlich, wie stark Anfeindungen und Bedrohungen das Engagement in Jugendverbänden belasten können.

Im Themenfeld Freiwilligendienste und Pflichtdienste tauschten sich BJV und DBJR über sicherheitspolitische Diskursverschiebungen, Wehrpflicht, Zivildienst und jugendpolitische Positionierungen aus. Der DBJR bekräftigte seine Ablehnung verpflichtender Dienste und betonte Freiwilligkeit als Grundlage gesellschaftlichen Engagements. Beide Jugendringe kritisierten, dass junge Menschen in Debatten und Reformprozessen zu Wehrpflicht, Zivildienst und sicherheitspolitischer Neuorientierung nicht ausreichend beteiligt werden. Jugendbeteiligung müsse in diesen Fragen von Beginn an strukturell verankert werden.

Weitere Programmpunkte widmeten sich inklusiver Jugendverbandsarbeit und digitaler Teilhabe. Mit dem Landesjugendring Berlin und der Fachstelle „Inklusion in der Jugendarbeit“ des Landesjugendrings Brandenburg ging es um Methoden, barrierearme Materialien, Kommunikation mit Eltern und diversitätssensible Schutz- und Awarenesskonzepte. Zum Thema digitale Teilhabe diskutierten die Teilnehmenden mit dem Digitalpolitischen Ausschuss des BDKJ über Künstliche Intelligenz, pauschale Social-Media-Verbote und den geplanten Digital Fairness Act. Der Austausch zeigte: Digitale Teilhabe darf nicht auf Schutzpolitik reduziert werden. Entscheidend sind sichere Plattformen, Medienbildung, Beteiligung junger Menschen und eine Digitalpolitik, die Schutz, Befähigung und Teilhabe zusammendenkt.

Ergänzend besuchte die Delegation die Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN) der Naturfreunde und Naturfreundejugend. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie rechtsextreme Einflussnahmen in Natur- und Umweltschutzkontexten erkannt und ihnen durch politische Bildung, Prävention und klare demokratische Haltung begegnet werden kann. Daran anknüpfend tauschte sich die Delegation mit der Naturfreundejugend aus. Das Gespräch griff auch die Begegnung in Wien im Januar 2026 auf und vertiefte gemeinsame Perspektiven auf politische Bildung, demokratisches Engagement und die Zusammenarbeit zwischen BJV und DBJR.

Die multilaterale Jugendpolitik wurde durch eine Vorstellung des Deutschen Nationalkomitees für internationale Jugendarbeit (DNK) und den Austausch zu Jugenddelegiertenprogrammen zur UN-Generalversammlung aufgegriffen. Ergänzt wurde das Programm durch Gespräche mit FragDenStaat und eine Exkursion zu Youth Policy Labs.

Der Bundesjugendring freut sich über den intensiven Austausch mit der BJV. Die Begegnung hat gezeigt, dass Jugendringe in Deutschland und Österreich vor ähnlichen Fragen stehen: Wie können junge Menschen wirksam beteiligt werden? Wie bleiben Jugendverbände handlungsfähig? Und wie können demokratische, inklusive und digitale Teilhabe national, grenzüberschreitend und auf europäischer Ebene gestärkt werden?

Über die Bundesjugendvertretung

Die Bundesjugendvertretung (BJV) ist die seit 2001 gesetzlich verankerte Interessenvertretung aller Kinder und Jugendlichen in Österreich mit sozialpartnerschaftlichem Status. Damit vertritt sie rund 3 Millionen Menschen bis 30 Jahre. Die BJV setzt sich als Interessenvertretung gegenüber der Politik für die vielfältigen Anliegen von jungen Menschen ein.

DBJR und BJV verbindet eine langjährige Partnerschaft, die durch gegenseitige Einladungen zu Formaten der internationalen Jugendarbeit und gemeinsame Vorhaben geprägt ist. Dazu gehörte unter anderem die Planung eines trilateralen Seminars mit dem israelischen Jugendring CYMI zum Thema „Demokratie unter Druck“, das zunächst aufgrund der Corona-Pandemie und später infolge des 7. Oktobers abgesagt werden musste.