President’s Youth Advisory Board berät mit Ursula von der Leyen über Jugendpolitik nach 2027

Beim zweiten Treffen des President’s Youth Advisory Board mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am 22. Juli 2026 standen die jugendpolitischen Prioritäten der Europäischen Union nach 2027 im Mittelpunkt. Vertreter*innen der europäischen Jugendringe brachten dabei konkrete Forderungen für eine stärkere und verbindlichere Einbindung junger Menschen in die EU-Politik ein. Für das Deutsche Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit (DNK) und den Deutschen Bundesjugendring (DBJR) nahm Isabel Rutkowski an den Beratungen im Brüsseler Berlaymont-Gebäude teil.

Im Mittelpunkt des Treffens standen neben der Beteiligung junger Menschen und digitalpolitischen Fragen insbesondere die sozioökonomischen Sorgen junger Menschen sowie die strukturelle Absicherung der Jugendarbeit in Europa. Die Ergebnisse der Beratungen sollen in die weitere Ausgestaltung europäischer Politik und die kommende EU-Jugendstrategie nach 2027 einfließen.

Jugendpolitik verbindlich gestalten

Die Jugendvertreter*innen forderten unter anderem, den EU Youth Check systematisch auszubauen und verbindlicher zu gestalten. Mit dem Instrument sollen die Auswirkungen europäischer Vorhaben auf junge Menschen frühzeitig berücksichtigt werden. Jugendpolitik muss auf europäischer Ebene als eigenständiges Politikfeld abgesichert sein und Beteiligung junger Menschen dauerhaft, wirksam und mit nachvollziehbaren Rückkopplungsprozessen organisiert werden.

Über die Jugendbeteiligung hinaus brachten die Vertreter*innen ein breites Spektrum drängender Zukunftsfragen ein. Steigende Lebenshaltungskosten, bezahlbarer Wohnraum, faire Bedingungen in Ausbildung und Praktika sowie gesellschaftliche Spaltungen und Bedrohungen demokratischer Strukturen gehörten zu den Themen des Austauschs.

Jugendarbeit verlässlich finanzieren

Für den Bundesjugendring ist klar: Eine wirksame europäische Jugendpolitik braucht auch eine verlässliche finanzielle Grundlage. Für den Mehrjährigen Finanzrahmen der EU ab 2028 fordert der DBJR ein eigenständiges Budget für den Jugendbereich, ausreichend ausgestattete jugendspezifische Förderprogramme und verlässliche Rahmenbedingungen für Jugendorganisationen und Jugendringe.

Isabel Rutkowski, Vertreterin des DNK im President’s Youth Advisory Board: „Junge Menschen erleben derzeit massiven ökonomischen Druck und eine Verunsicherung durch gesellschaftliche Spaltungen. Wenn wir Demokratieresilienz stärken wollen, dürfen Jugendverbände und zivilgesellschaftliche Akteure nicht kaputtgespart werden. Wir brauchen eine verlässliche Strukturförderung im Mehrjährigen Finanzrahmen der EU von Beginn an und nicht erst als nachträgliches Trostpflaster.“

Digitale Räume sicher und teilhabegerecht gestalten

Auch der Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum spielte bei den Beratungen eine Rolle. Der von der Europäischen Kommission eingesetzte Sonderausschuss zur Online-Sicherheit von Kindern hatte kurz zuvor empfohlen, Plattformanbieter stärker für sichere digitale Räume in die Verantwortung zu nehmen. Nach dem Prinzip Safety by Design sollen Anbieter nachweisen, dass ihre Dienste für Minderjährige sicher und altersgerecht gestaltet sind. Der Sonderausschuss empfiehlt damit auch eine Verlagerung der Beweislast hin zu den Anbietern digitaler Dienste. Dabei handelt es sich um Empfehlungen des Ausschusses, die nun in die weitere Arbeit der Europäischen Kommission einfließen.

Der Bundesjugendring unterstützt verbindliche Vorgaben für Safety by Design. Gleichzeitig lehnt er pauschale Social-Media-Altersgrenzen und eine pauschale Altersverifikation als Zugangsvoraussetzung ab. Schutz junger Menschen im digitalen Raum darf nicht über Ausschluss organisiert werden: Schutz, Befähigung und digitale Teilhabe müssen gemeinsam gewährleistet werden.

Hintergrund: President’s Youth Advisory Board

Der von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen initiierte Jugendbeirat wurde am 25. Juni 2025 offiziell als Sachverständigengruppe der Europäischen Kommission eingesetzt. Das Gremium setzt sich aus Delegierten der nationalen Jugendringe aus den EU-Mitgliedstaaten sowie Vertreter*innen des Europäischen Jugendforums (YFJ) zusammen. Es berät die EU-Spitze direkt und auf höchster politischer Ebene. Die deutschen Interessen werden im Gremium durch das DNK wahrgenommen, dessen Mitglied unter anderem der Deutsche Bundesjugendring (DBJR) ist. Vertreten wurde das DNK 2025/2026 durch Paula Gehrs (JEF) und Isabel Rutkowski (KLJB).