Sitzung der Arbeitsgruppe Internationale Jugendpolitik
Ein Schwerpunkt der Sitzung lag auf den Auswirkungen aktueller politischer Entwicklungen auf die internationale Jugendarbeit. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe berichteten, dass finanzielle Unsicherheiten insbesondere bei Trägern in ostdeutschen Bundesländern bereits deutlich spürbar sind. Wenn Ressourcen knapper werden, müssen Mittel zunehmend für den Erhalt von Strukturen eingesetzt werden. Internationale Maßnahmen geraten dann schnell unter Druck.
Diskutiert wurde auch, wie sich veränderte politische Mehrheiten auf Förderbedingungen und zivilgesellschaftliche Handlungsspielräume auswirken können. Dabei geht es nicht allein um die Höhe der Förderung, sondern auch darum, welche Themen und Organisationen künftig unterstützt werden. Erfahrungen internationaler Partner zeigen, dass unsichere Finanzierung und Einschränkungen zivilgesellschaftlicher Handlungsspielräume die Arbeit von Jugendorganisationen erheblich erschweren können.
Gleichzeitig wurde die Bedeutung internationaler Jugendarbeit als Raum für demokratische Bildung, Begegnung und zivilgesellschaftliche Vernetzung hervorgehoben. Dabei rückt auch die Sicherheit von Teilnehmenden stärker in den Fokus. Internationale Partner arbeiten zum Teil bereits mit systematischen Risikoanalysen für Begegnungen in Deutschland. Die Arbeitsgruppe diskutierte deshalb, wie demokratische Netzwerke, verlässliche Partnerstrukturen und sichere Orte für internationale Begegnungen insbesondere in besonders betroffenen Regionen gestärkt werden können.
Austausch mit dem Deutsch-Griechischen Jugendwerk
Zu Gast war Gerasimos Bekas, Generalsekretär des Deutsch-Griechischen Jugendwerks (DGJW). Das Jugendwerk feiert 2026 sein fünfjähriges Bestehen. Besonders der schulische Austausch wächst derzeit, ebenso besteht großes Interesse an Sportbegegnungen und Projekten zur Erinnerungsarbeit an die deutsche Besatzung Griechenlands. Das DGJW versteht persönliche Begegnungen auch als Beitrag zur Stärkung demokratischer Gesellschaften. Im Austausch ging es deshalb um die Frage, wie langfristig stabile Trägerstrukturen und eine widerstandsfähige Zivilgesellschaft unterstützt werden können. Zugleich bestehen weiterhin praktische Herausforderungen. Dazu gehören die Suche nach geeigneten Partnerorganisationen, unterschiedliche Förderlogiken in Deutschland und Griechenland sowie Schwierigkeiten bei der Erstattung von Reisekosten, insbesondere für Teilnehmende außerhalb der großen Ballungszentren.
Das DGJW unterstützt die Partnersuche unter anderem durch eine interaktive Karte und thematische Partnerkonferenzen. Auch trilaterale Begegnungen sind möglich, beispielsweise mit Partnerorganisationen aus Polen, Frankreich oder der Türkei. Als mögliche Weiterentwicklung wurde zudem die Förderung informeller Gruppen diskutiert.
Deutsch-Israelischer Jugendaustausch
Die Arbeitsgruppe bereitete außerdem die Sitzung des ConAct-Koordinierungsrats am 24. September vor. Für den Bundesjugendring nimmt Annette von Stockhausen (vcp) teil. Aus den Mitgliedsorganisationen wurde berichtet, dass weiterhin Begegnungen und neue Anträge geplant werden, darunter auch multilaterale und längerfristige Projekte.
Gleichzeitig bleibt die Durchführung deutsch-israelischer Begegnungen mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Einzelne Maßnahmen mussten abgesagt oder verschoben werden, unter anderem aufgrund zu geringer Teilnehmendenzahlen oder interner Genehmigungsverfahren. Hinzu kommen förderrechtliche Schwierigkeiten, wenn Partnerorganisationen nicht ohne Weiteres den jeweiligen nationalen Förderkriterien entsprechen.
Als hilfreich wurden deshalb flexiblere Fördermöglichkeiten benannt, etwa Begegnungen in Drittländern oder kürzere Formate. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen wurde betont, dass bestehende Partnerschaften aufrechterhalten und weiterhin Förderanträge gestellt werden sollten.
Visa und Einreisebedingungen bleiben Herausforderung
Auch Visa- und Einreisefragen bleiben ein wichtiges Thema der internationalen Jugendarbeit. Aktuell betrifft dies unter anderem ukrainische Geflüchtete mit ukrainischem Pass und deutschem Aufenthaltstitel, für die Reisen in das Vereinigte Königreich mit zusätzlichen Hürden verbunden sein können.
Im Zuge des Kensington-Vertrags wurden die Einreisebedingungen für deutsche Schulgruppen in das Vereinigte Königreich erleichtert. Für außerschulische Jugendbegegnungen gelten diese Erleichterungen bislang nicht in gleicher Weise. Aus Sicht der internationalen Jugendarbeit stellt sich daher die Frage, wie entsprechende Regelungen künftig auch auf außerschulische Austauschformate ausgeweitet werden können.
Die Sitzung machte insgesamt erneut deutlich, dass internationale Jugendarbeit verlässliche Strukturen und flexible Rahmenbedingungen braucht. Gerade angesichts politischer Polarisierung und zunehmenden Drucks auf zivilgesellschaftliche Organisationen bleibt internationale Begegnung ein wichtiger Raum für demokratischen Austausch, Verständigung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit.