Jugendverbände

Studie: Jugendliche reklamieren mehr Beachtung und Beteiligung

Eine aktuelle Studie der Universitäten Hildesheim und Frankfurt bestätigt unsere Position: Jugendliche und junge Erwachsene haben nicht den Eindruck, dass ihre Interessen in der derzeitigen Krise zählen. Sie werden auf das Schüler*innen-Sein reduziert. Ihre Bedarfe, Sorgen und Ängste als Jugendliche und junge Erwachsene werden nicht wahrgenommen. Darüber debattierte auch der Bundestag.

Erste Ergebnisse der bundesweiten Studie JuCo fassen zentrale Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen während der Corona-Maßnahmen zusammen: „Deutlich zeigt sich hier, dass knapp ein Viertel der Befragten angibt, gar nicht den Eindruck zu haben, dass die eigenen Sorgen gehört werden (23,6 Prozent). Weitere 22 Prozent stimmen „eher nicht“ zu und 30 Prozent befinden sich im Mittelfeld.“

Besonders leiden junge Menschen darunter, dass innerhalb weniger Tage die wichtigen Kontakte zu Gleichaltrigen jenseits der digitalen Möglichkeiten nicht mehr erlaubt waren. Zitiert wird ein junger Mensch: „Von jetzt auf gleich nicht mehr raus zu dürfen und seine Freunde nicht mehr sehen können ist eine Zumutung! Man vereinsamt regelrecht, obwohl die Familie da ist.“ Die Studie stellt dazu fest: Junge Menschen verbringen einen Großteil ihrer Zeit in Organisationen, die außerhalb der schulischen Bildung liegen – wie Sportvereine, Jugendverbände oder Jugendzentren, sie engagieren sich in Vereinen und haben Freundschaftsnetzwerke. Dieses ist von jetzt auf gleich zum größten Teil weggebrochen, oftmals kann eine Umorganisation in digitale Formate nicht stattfinden oder wird als nicht ausreichend wahrgenommen.

Dazu passt auch die Erkenntnis: Es wurde davon ausgegangen, dass in kürzester Zeit alle möglichen Lebens-, Ausbildungs- und Freizeitbereiche digitalisiert werden können: Das persönliche Leben, Freundschaften und Familienbeziehungen ebenso wie Arbeit, Ausbildung, Studium und Schulen. Nicht nur die Organisationen und Bildungskonzepte konnten sich nicht so schnell umstellen, auch die technische Ausstattung ist für die meisten jungen Menschen nicht gegeben. So besitzen die meisten zwar ein Smartphone, aber nicht unbedingt einen Rechner oder die Haushalte verfügen über keine entsprechenden Internetverbindungen und ausreichend Datenvolumen. Auch die Systeme selbst waren nicht darauf ausgelegt und es kommt immer wieder zu überlasteten Verbindungen. Und junge Menschen verbringen zwar viel Zeit mit Medien, jedoch oftmals, um darüber ihre Freundschaftsbeziehungen zu organisieren – nicht, um sie ausschließlich darüber aufrechtzuerhalten.

Wir haben deutlich gefordert, dass junge Menschen unbedingt an Diskussionen und Entscheidungsprozessen zu den Maßnahmen beteiligt werden müssen. Die Studie sagt dazu: „Politische Teilhabe von jungen Menschen in Bereichen, die ihr persönliches Leben betreffen, muss – so unterstreicht es die Reaktion vieler Teilnehmer*innen der Befragung – auch in Krisen-Zeiten gewährleistet werden. Ein Vertrauensverlust wird in jedem Fall deutlich markiert.“

Am Tag der Veröffentlichung der Studie debattierte auch der Bundestag über Rechte von Kindern in der Corona-Krise. In einem Antrag der Fraktion Die Linke und in einem Antrag der Fraktion Bündnis90/Die Grünen wird betont, dass Interessenvertretungen junger Menschen mehr einbezogen werden müssen. Die Linke fordert einen Kindergipfel im Kanzleramt, an dem unter anderem auch die Jugendverbände teilnehmen sollen. Die Grünen fordern in ihrem Antrag die Bundesregierung auf: „Verstärkt mit den Jugendverbänden als Interessenvertretern von Kindern und Jugendlichen in den Austausch zu gehen“. Die Union versicherte in der Bundestagsdebatte, Jugend im Blick zu haben. Sie verwies jedoch in Sachen Bildung und Jugendhilfe auf die Zuständigkeit der Länder. Die SPD betonte die sozialen Aspekte, warb nochmals deutlich für Kinderrechte ins Grundgesetz, ging aber leider kaum auf Beteiligungsrechte ein. Die Liberalen stellten sich weitgehend auf die Seite der Antragstellenden: Interessen von Jugend müssten gehört und ernst genommen werden.

Die Ergebnisse der Studie im Detail.

Themen: Jugendverbände