Wendelin Haag als Sachverständiger zu mentaler Gesundheit in der Kinderkommission

Am 28.01.2026 fand in der Kinderkommission des Deutschen Bundestages das Fachgespräch „Mental Health – Belastungen von Kindern und Jugendlichen“ statt. Für den Deutschen Bundesjugendring brachte dessen Vorsitzender Wendelin Haag die Anliegen junger Menschen und die Expertise der Jugendverbandarbeit als Sachverständiger teil.

In seinem Eingangsstatement verwies Haag auf die von der DBJR-Vollversammlung 2023 verabschiedete Position „Mentale Gesundheit junger Menschen in Krisenzeiten stärken“ und stellte zwei zentrale Anliegen heraus: Erstens dürften psychische Belastungen junger Menschen nicht individualisiert werden. Sie entstehen häufig in einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren, insbesondere auch durch gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen. Haag benannte die Vielzahl an Krisen, mit denen junge Menschen aktuell gleichzeitig konfrontiert sind – von den Nachwirkungen der Pandemie über eine zunehmend instabile internationale Ordnung bis hin zu wachsenden sozialen und ökologischen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten. Mentale Belastungen seien vor diesem Hintergrund nachvollziehbare Reaktionen auf ungelöste gesellschaftliche Herausforderungen. Zugleich machte er deutlich: Junge Menschen sind keine labile oder defizitäre Gruppe, sondern bringen sich aktiv und engagiert in die Bewältigung dieser Krisen ein, sofern sie Gelegenheit zu Teilhabe und Partizipation haben.

Zweitens betonte Haag, dass mentale Gesundheit als jugendpolitisches Thema verstanden werden muss: „Eine gute Jugendpolitik muss die Rahmenbedingungen schaffen, die junge Menschen für ein gesundes Aufwachsen benötigen.“ Er warb für eine engere Verzahnung von Jugend- und Gesundheitspolitik sowie für eine konsequente Beteiligung junger Menschen und ihrer demokratischen Selbstorganisationen an der Strategie des Bundes zur Stärkung ihrer mentalen Gesundheit.

Besondere Aufmerksamkeit widmete Haag dem Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP). Eine Stärkung des KJP bedeute zugleich eine Stärkung unverzweckter, selbstbestimmter Freiräume für junge Menschen. Peer-Kontakte, Vertrauenspersonen, Bewegung, Freude und die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen – all dies seien zentrale Faktoren für Resilienz und fänden sich in den Strukturen der Jugendverbandsarbeit. „Die gute Nachricht ist: Diese Strukturen existieren bereits. Nun gilt es, sie abzusichern und zu stärken“, so Haag. In diesem Zusammenhang verwies er auch auf die Bedeutung physischer Orte der Begegnung und warb erneut für ein Investitionsprogramm für Jugendbildungsstätten.

Als weitere konkrete Maßnahmen benannte Haag die Sicherung der Finanzierung psychotherapeutischer Weiterbildung, vereinfachte und klarere Verfahren zur Verlängerung des BAföG bei psychischen Belastungen sowie die Verabschiedung eines Suizidpräventionsgesetzes. Mit Blick auf die Versorgungslage machte er deutlich: „Junge Menschen warten derzeit im Schnitt 28 Wochen auf einen Therapieplatz. Das ist unzumutbar. Es braucht endlich eine eigenständige Bedarfsplanung, die die spezifischen Bedarfe junger Menschen abbildet.“ Davon würden insbesondere auch junge Menschen in ländlichen Räumen profitieren, die teils weite Wege zur nächsten Behandlungsmöglichkeit zurücklegen müssen.

Auf die Frage, wie sich aktuelle politische Debatten – etwa um sogenannte „Lifestyle-Teilzeit“ oder Forderungen nach einer generellen Ausweitung von Arbeitszeiten – auf junge Menschen auswirken, wies Haag darauf hin, dass solche Diskurse zusätzlichen Druck erzeugen. Besonders betroffen seien junge Menschen, die ohnehin von strukturellen Benachteiligungen betroffen sind, etwa durch Armut oder Diskriminierungserfahrungen.

Die Kinderkommission (Kiko) ist ein Unterausschuss des Ausschusses für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und befasst sich mit der Wahrnehmung der Belange von Kindern und Jugendlichen. Der Bundesjugendring bedankt sich beim Kiko-Vorsitzenden Michael Hose (CDU/CSU) sowie bei den anwesenden Abgeordneten von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke für den angenehmen und produktiven Austausch im Fachgespräch und freut sich auf die zugesagte weitere Zusammenarbeit in Sachen mentale Gesundheit junger Menschen.