Werkstatt Politische Jugendbildung: Landtagswahlen und Jugendbeteiligung

Bei der zweiten Werkstatt Politische Jugendbildung 2026 am 8. Juni kamen viele Fachkräfte und Interessierte aus den Mitgliedsorganisationen zusammen. Im Mittelpunkt standen politische Bildung rund um Landtagswahlen, Beteiligung junger Menschen in politischen Prozessen sowie die Frage, wie Jugendverbände junge Menschen auch außerhalb der eigenen Strukturen erreichen und ihre demokratische Interessen nach Wahlen weiter sichtbar halten können.

Mit Blick auf Landtagswahlen in diesem Jahr standen unterschiedliche Herausforderungen und Projekte politischer Bildung im Zentrum. In Austauschrunden ging es darum, wie Erstwählende angesprochen werden können, wie im ländlichen Raum mehr U18-Wahllokale entstehen, wie die Motivation von jungen Menschen nach Kommunalwahlen bis zu Landtagswahlen aufrechterhalten werden kann und wie jugendpolitische Interessen nach der Wahl weiter hochgehalten werden können. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf rechtsextremen und antidemokratischen Entwicklungen. Diskutiert wurden die Angriffe rechtsextremer Parteien auf Jugendarbeit, Unsicherheiten in der politischen Bildungsarbeit sowie die Frage, wie junge Menschen gut erreicht werden können. Dabei wurde deutlich, dass auch Jugendverbände niedrigschwellige Zugänge, belastbare Methoden und Austausch darüber brauchen, wie junge Menschen erreicht werden können, die zunehmend von demokratischen Parteien enttäuscht sind. Große Besorgnis besteht auch in Bezug auf drohende Kürzungen institutioneller Förderung und von Förderprogrammen der Demokratiebildung und politischen Jugendbildung.

In den Projekt- und Praxiseinblicken wurden verschiedene Ansätze politischer Jugendbildung vorgestellt, die mit den anstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt sowie vergangenen Wahlen in Thüringen und Baden-Württemberg verbunden sind. Dazu gehörten diverse Aktivitäten des Kinder- und Jugendrings Sachsen-Anhalt, mit vielen jugendpolitischen und aufsuchenden Formaten wie “Schnippeln und Schnacken”, die Weiterführung des Formats “Lohnt sich” des Landesjugendrings Thüringen mit Podcast-Folgen, Interviews mit jungen Menschen und Gesprächen mit Spitzenpolitiker∗innen, eine Lobbystrategie und Erstwähler*innenkampagne des Landesjugendrings in Baden-Württemberg im Kontext der vergangenen Landtagswahl sowie “The Gäme”, ein spielerisches Format zu Landtagswahlen u.a. des Stadtjugendrings Stuttgart. Die Beispiele machten sichtbar, wie politische Jugendbildung über mediale, strategische, aufsuchende und spielerische Zugänge junge Menschen erreichen, mit Politik zusammenbringen und politische Prozesse verständlich machen kann. Auch übergreifende Fragen aus der Praxis wurden aufgegriffen. Dazu zählten Demokratiebildung und Wertediskurse, der Erhalt von Gesprächsräumen und Vielfalt in Jugendverbänden, historisch-politische Bildung und Gedenkstättenarbeit, Transferarbeit, Antidiskriminierung sowie die Frage, warum die öffentliche Förderung Bildungsangebote vor allem Kontext der Schule versteht. Deutlich wurde, dass politische Jugendbildung in Jugendverbänden eigene Zugänge, Sprachen und Formate hat und weiterhin entwickelt, um junge Menschen jenseits formaler Bildungsräume auf freiwilliger Basis zu erreichen.

Die Werkstatt zeigte damit erneut, wie vielfältig politische Jugendbildung in Jugendverbänden und Jugendringen gestaltet wird. Sie verbindet politische Bildung zu Wahlen, Beteiligung, jugendpolitische Interessenvertretung und demokratische Selbstbildung – und bietet zugleich Raum, um aktuelle Herausforderungen gemeinsam zu reflektieren und in die Praxis zu übersetzen.

 

Weitere Termine der Werkstatt Politische Jugendbildung sind unter Termine und Veranstaltungen zu finden. Für weitere Vernetzung und dem Austausch zu Informationen, Impulsen und Veranstaltungen im Feld der Politischen Jugendbildung in der Jugendverbandsarbeit gibt es den Verteiler Politische Jugendbildung. Die Aufnahme in den Verteiler steht allen Interessierten, Aktiven und Zuständigen im Bereich der politischen Jugendbildung in den Jugendringen und -verbänden offen, Anfragen auf Aufnahme in den Verteiler können an die Fachstelle Politische Jugendbildung gerichtet werden.