Zentrale Befunde des 6. Deutschen Freiwilligensurveys aus Perspektive junger engagierter Menschen
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Besonders hervorzuheben ist die hohe Engagementbereitschaft junger Menschen: 39,9 Prozent der 14- bis 29-Jährigen und 40,4 Prozent der 30- bis 49-Jährigen engagieren sich freiwillig. Damit liegt der Anteil der Engagierten in dieser Altersgruppen über dem Niveau der älteren Jahrgänge. Junge Menschen leisten damit einen zentralen und unverzichtbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Zugleich macht der Survey sichtbar, unter welchen Bedingungen freiwilliges Engagement an Grenzen stößt. Zeitliche Belastungen stellen für 62 Prozent der Engagierten den häufigsten Grund dar, ihr Engagement einzuschränken oder zu beenden. Besonders ausgeprägt ist dieser Befund bei Schüler*innen, Auszubildenden und Studierenden: 80 Prozent von ihnen nennen die Anforderungen von Schule, Ausbildung oder Studium als ausschlaggebend. Um freiwilliges Engagement nachhaltig zu stärken und die vielfältigen Angebote der Jugendverbände auch künftig abzusichern, braucht es verlässliche zeitliche Freiräume für junge Menschen – unabhängig davon, ob sie sich in schulischer, akademischer oder beruflicher Ausbildung befinden.
Der Freiwilligensurvey unterstreicht zudem, dass junge Menschen überdurchschnittlich häufig Verantwortung in gesellschaftlich besonders relevanten Bereichen übernehmen, etwa im Unfall- und Rettungsdienst, in der Freiwilligen Feuerwehr sowie im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz. Vor diesem Hintergrund erweist sich die wiederkehrende Debatte um ein verpflichtendes gesellschaftliches Pflichtjahr als verfehlt. Auch im Zusammenhang mit dem Wehrdienstmodernisierungsgesetz hat der Bundesjugendring wiederholt darauf hingewiesen, dass junge Menschen bereits heute in erheblichem Umfang zur Gesamtverteidigung und Resilienz der Gesellschaft beitragen. Die Ergebnisse des Freiwilligensurveys bestätigen dies eindrücklich.
Gleichzeitig verweist der Survey auf ein erhebliches, bislang ungenutztes Engagementpotenzial – insbesondere bei jungen Menschen. Zwei Drittel der nicht engagierten 14- bis 29-Jährigen können sich ein zukünftiges Engagement vorstellen. Diese hohe Bereitschaft macht deutlich: Statt verpflichtender Dienste braucht es vor allem bessere Rahmenbedingungen, niedrigere Zugangshürden und eine stärkere gesellschaftliche und politische Anerkennung für junges Ehrenamt.
Der Freiwilligensurvey bestätigt darüber hinaus, was bereits der Vierte Engagementbericht herausgearbeitet hat: Der Zugang zu freiwilligem Engagement ist weiterhin ungleich verteilt. Personen mit niedrigerem Schulabschluss engagieren sich seltener als Personen mit höherer Bildung. Während die Engagementquote bei Menschen ohne Migrationshintergrund leicht zurückgegangen ist, bleibt sie bei Menschen mit Migrationshintergrund stabil. Diese Unterschiede verweisen auf strukturelle Barrieren, die den Zugang zum Engagement für bestimmte Gruppen erschweren und gezielt abgebaut werden müssen. Der Bundesjugendring hat den Vierten Engagementbericht umfassend kommentiert.
Auch die Digitalisierung prägt das freiwillige Engagement zunehmend. 86 Prozent der Engagierten nutzen digitale Anwendungen zumindest gelegentlich – etwa zur Kommunikation, Organisation oder Koordination. Rein digitales Engagement bleibt mit drei Prozent jedoch die Ausnahme. Persönliche Begegnungen, gemeinsames Erleben und das Miteinander vor Ort bleiben zentral – nicht zuletzt als wirksame Antwort auf Einsamkeit. Digitale Werkzeuge können aus Sicht des Bundesjugendrings freiwilliges Engagement unterstützen und punktuell erleichtern, es jedoch nicht ersetzen.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse des Freiwilligensurveys 2024: Freiwilliges Engagement ist vielfältig, tragfähig und insbesondere bei jungen Menschen fest verankert. Damit dieses Engagement auch künftig erhalten und weiterentwickelt werden kann, braucht es politische Rahmenbedingungen, genügend Zeit, finanzielle Absicherung, Zugänglichkeit und verlässliche Strukturen.