Demokratie Jugendpolitik

Zukunft der politischen Bildung diskutiert

Die Zukunft der politischen Bildung von und mit jungen Menschen ist für uns eine wichtige Frage. Gemeinsam mit Thomas Krüger, dem Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung, dachten wir deswegen über Antworten nach.

Bei unserem Format „Nachdenken über …“ gilt, dass niemand direkt zitiert wird. Gleichwohl ist es nicht sinnvoll, Erkenntnisse und die Debatte unter Verschluss zu halten. Wir berichten über Diskussionsstränge und Gedanken.

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass in der Corona bedingten Lage auch eine Chance liegen kann, politische Bildung wieder politischer zu machen. Denn soziale Ungleichheit wird sichtbarer, Verschwörungstheorien gedeihen, das Handeln der Politik dringt direkt spürbar tief in den Alltag ein. Damit umzugehen, ist ein politischer Moment, den politische Bildung flankieren kann. Denn sie fördert das Reflektieren von Werten und Haltungen, sie schult den Umgang mit Informationen und schafft Raum für Diskurs.

In Jugendverbänden wird diese Form politischer Bildung gelebt. Sie ist eine der Kernideen der Jugendverbandsarbeit: Jugend schafft sich selbstbestimmt Bildungsangebote, sie gestaltet ihre eigene Emanzipation. Ausbildung von Werten, Umgang mit Informationen und Raum für Diskurs werden in Jugendverbänden altersgerecht und gemeinsam gestaltet. Jugendverbände und Jugendringe sind in diesem Sinne Werkstätten der Demokratie. Dabei müssen auch sie neue Impulse und Entwicklungen aufnehmen. Ihnen muss gelingen, was der gesamten politischen Bildung wieder stärker gelingen muss: Alle teilhaben zu lassen. Denn politische Bildung ist eine „Disziplin“ für alle, nicht nur für diejenigen, die schon als gebildet oder privilegiert gelten. Eine wichtige Frage also: Wie bekommt man politische Bildung so runtergebrochen, dass alle, die beim Thema „Politik“ und erst recht beim Thema „Bildung“ zusammenzucken, mitmachen wollen?

Medien spielen in der modernen politischen Bildung mit jungen Menschen eine wachsende Rolle. Das bedeutet: Junge Menschen müssen Medien selbst viel stärker einsetzen dürfen, um sich mit gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen auseinander zu setzen - in der Schule zum Beispiel aber auch in den Jugendverbänden. Zugleich müssen auch Medien stärker gesellschaftliche und politische Themen an junge Menschen herantragen und diese Formate in Schule und Jugendarbeit eine Rolle spielen: Die Youtube-Videos von Influencer*innen etwa, Formate von funk.net oder RTL2 sowie Podcasts. Das Ziel: Elementare Themen altersgerecht verständlich machen.

Wenn es um die Zukunft der politischen Bildung junger Menschen geht, müssen noch Themen wie Diversität in den Fokus rücken. Politische Bildung in Deutschland ist oft zu homogen, zu weiß, zu männlich. Jugendverbände könnten ihr Potenzial hier entfalten, denn sie sind durchaus diverser als andere Bildungsbereiche. Wenn es um die Zukunft geht, dann muss über die „Neutralität“ der politischen Bildung gesprochen werden. Beim „Nachdenken“ waren sich die Teilnehmenden einig: Politische Bildung war noch nie neutral, allenfalls normativ – also an die Normen und Werte des Grundgesetzes und der Menschenrechte oder Kinderrechte gebunden.

Politische Bildung neutral machen zu wollen, würde zu einer unpolitischen politischen Bildung führen. Das ist nicht im Sinne einer wehrhaften Demokratie.

Themen: Demokratie Jugendpolitik