Gemeinsame Erklärung der Jugendringe

Foto: Scholl | DBJRFoto: Scholl | DBJR 26.01.2015

Der Deutsche Bundesjugendring, der israelische Jugendring „Council of Youth Movements in Israel“ (CYMI) und der polnische Jugendring „Polska Rada Organizacji Młodzieżowych“ (PROM) haben zum Abschluss ihres gemeinsamen Seminars eine Erklärung verfasst. Bei einer Zeremonie in der Gedenkstätte Auschwitz unterzeichneten die Vorstände in Vertretung für ihre Mitglieder den Text. Der Auschwitz-Überlebende Asher Oud und der deutsche Konsul in Krakau, Dr. Werner Köhler, nahmen an der Feier teil.

Der Text in der deutschen Übersetzung:

Vor genau siebzig Jahren wurden am 27. Januar 1945, einige Monate vor Ende des Zweiten Weltkriegs, 7.500 in Auschwitz verbliebene Häftlinge von der Roten Armee befreit. In den seither verstrichenen sieben Jahrzehnten waren unsere Jugendorganisationen und Jugendbewegungen darum bemüht, aus den Verbrechen dieses Krieges zu lernen und den Zeitzeugen, die dieses Inferno überlebt haben, genau zuzuhören.

Heute, 70 Jahre danach, sind wir als Verantwortliche israelischer, polnischer und deutscher Jugendbewegungen und Jugendorganisationen hier zusammengekommen, um des Holocaust gemeinsam zu gedenken.

Dabei wissen wir, dass Gedenken weit mehr als Erinnern bedeutet. Wir sind nicht nur bestrebt, das Unfassbare zu begreifen, sondern versuchen auch zu verstehen, wie es dazu kommen konnte. Während wir uns eingehend mit diesem Kapitel der Menschheitsgeschichte, mit dem  Holocaust des Europäischen Judentums und der religiös und rassistisch motivierten Ermordung von Menschen befassen, müssen wir den Gräueln der Vernichtungslager ins Gesicht sehen.

Wir sind darum bemüht, eine politische Bildungsarbeit zu entwickeln, die es uns ermöglicht, aus der Vergangenheit zu lernen, sie zu vermitteln und eine Zukunft anzustreben, in der Rassismus und der Hass gegenüber Anderen bekämpft werden. Wir wollen eine von Solidarität und moralischem Engagement zugunsten Schwacher und Hilfsbedürftiger geprägte Zukunft schaffen.

Heute wissen wir, dass der Verlauf von Geschichte weder zwangsläufig vorgegeben, noch zufällig ist, sondern von Menschen herbeigeführt wird. Auschwitz steht für den Holocaust am Judentum. Er ist Ausdruck von rassistischem Fanatismus, von Zerstörung und einem von deutschem Rassismus angetriebenem Massenmord. Auschwitz ist uns Menschen eine ewige Warnung. Es mahnt uns, immer zugunsten von Menschlichkeit zu entscheiden.

„Wir dürfen nichts vergessen, wir müssen gedenken und uns an alles erinnern.“ Diese Worte des Dichters Abraham Shlonsky beschreiben unsere Arbeit. Bei jeder Begegnung von Jugendlichen, bei allen Treffen von Jugendorganisationen sind wir darauf bedacht, uns zu erinnern und allen Menschen an allen Orten ein würdevolles Leben zu ermöglichen und junge Menschen zu moralischem, an Werten orientiertem Verhalten zu bewegen. Es ist unsere feste Überzeugung und uns ein inneres Anliegen, die Menschheit zukünftig vor Ähnlichem zu bewahren. Mit vereinten Kräften öffnen wir uns für eine hoffnungsvolle Zukunft. Als Vertreter_innen der Jugendlichen übernehmen wir im Kontext dieser Vergangenheit und aus dem Bewußtsein für die Ereignisse des Holocaust Verantwortung für die Gestaltung unserer Gesellschaften und zwar nicht nur mit Blick auf die Zukunft, sondern bereits Hier und Heute.

Als Verantwortliche in der Jugendarbeit verstehen wir, dass die Gräuel des Holocaust uns zu einer gemeinsamen Verantwortung verpflichten, die an keinen Grenzen Halt macht. Die Strukturen unserer Jugendbewegungen sind demokratisch. Mit unserer Bildungsarbeit kämpfen wir aktiv gegen Vergessen, gegen Gleichgültigkeit, gegen sämtliche Formen von Hass, Rassismus und Gewalt. Zusammen lernen wir voneinander, indem wir uns die unterschiedlichen Sichtweisen unserer Gesellschaften nicht nur gegenseitig mitteilen, sondern uns auch über sie austauschen.

Wir, die Vertreter_innen von Jugendbewegungen und Jugendorganisationen, erklären hiermit im Geiste der zwischen uns herrschenden internationalen Freundschaft, dass wir auch weiterhin gemeinsam voneinander lernen und Bildungsarbeit zum Gedenken des Holocaust machen werden. Wir setzen uns dafür ein, dass zukünftig alle Menschen ein würdevolles gutes Leben führen können. Wir engagieren uns für eine Welt, in der alle Menschen ohne Angst verschieden sein können. Diese Zeremonie bezeugt unsere gemeinsame Verantwortung und unser Anliegen, dafür Sorge zu tragen, dass sich so etwas wie Auschwitz niemals wiederholt!

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