DBJR als Sachverständiger im Ausschuss für Sport und Ehrenamt
Deutscher Bundestag / Parlamentsfernsehen
Broda machte in der Anhörung deutlich, junge Menschen müssten nicht erst vom Engagement überzeugt werden. Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, sei hoch. Entscheidend sei vielmehr, ob die politischen, finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen es jungen Menschen ermöglichten, diese Bereitschaft tatsächlich in Engagement zu übersetzen.
Zugleich betonte Broda, dass junges Engagement unter wachsendem Druck stehe. Die schriftliche Stellungnahme des DBJR benenne eine Vielzahl struktureller Herausforderungen, die den Einstieg ins Ehrenamt erschwerten, bereits Engagierte belasteten und langfristig den Generationenwechsel in Jugendverbänden gefährdeten. Dazu zählen zunehmende bürokratische Anforderungen, die Verengung unverzweckter Freiräume, der Verlust physischer Orte der Jugendarbeit, psychische Belastungen junger Menschen, fehlende Mobilitätsoptionen insbesondere im ländlichen Raum, fortwirkende Folgen der Corona-Pandemie, ungleiche Zugänge zum Engagement, zunehmende Bedrohungen und Angriffe aus dem extrem rechten Spektrum sowie fehlende finanzielle Planungssicherheit.
Die Frage verlässlicher Förderung spielte in der Anhörung eine tragende Rolle. Broda hob hervor, dass Jugendverbände ein eigenständiges und gesetzlich verankertes Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe seien. Ihre bundeszentralen Strukturen bündelten Erfahrungen aus der Praxis, entwickelten fachliche Standards, qualifizierten Haupt- und Ehrenamtliche, berieten und vernetzten Jugendverbände und stellten Materialien, Konzepte und Orientierung bereit. Diese Infrastruktur wirke unmittelbar bis in die lokale Praxis hinein. Sie ermögliche, dass Jugendverbände auf Landes-, Bezirks-, Kreis- und Ortsebene verlässlich, qualitätsgesichert und bedarfsgerecht arbeiten könnten. Vor diesem Hintergrund ordnete Broda die im Koalitionsvertrag der 21. Legislaturperiode angekündigte Stärkung des Kinder- und Jugendplans des Bundes als wichtigen Bezugspunkt für die weitere Förderung jungen Engagements ein.
Ein weiterer Schwerpunkt der Anhörung lag auf dem Thema Bürokratieabbau. Broda machte deutlich, dass viele Anforderungen, die jeweils für sich begründbar erscheinen mögen, in der Summe zu einer erheblichen Belastung für ehrenamtlich getragene Strukturen würden. Bürokratieabbau müsse deshalb gemeinsam mit der Praxis entwickelt werden: Hand in Hand zwischen Jugendverbandsarbeit, Verwaltung und Politik. Ziel müsse sein, Schutz, Qualität und Transparenz zu sichern, ohne ehrenamtliches Engagement durch unnötige Verfahren zu überlasten.
In den Nachfragen der Abgeordneten wurde außerdem diskutiert, wie Jugendverbände mit Social Media umgehen und welche Auswirkungen digitale Räume auf junges Engagement haben. Broda verwies darauf, dass soziale Netzwerke für junge Menschen weit mehr seien als reine Kommunikationskanäle. Sie seien Räume der Information, Vernetzung, Selbstorganisation und Beteiligung. Gerade während der Corona-Pandemie seien digitale Angebote ein wichtiger Bezugspunkt gewesen, um miteinander in Kontakt zu bleiben, Angebote sichtbar zu machen und Engagement trotz massiver Einschränkungen aufrechtzuerhalten. Zugleich machte Broda deutlich, dass digitale Räume das Engagement in Jugendverbänden vor Ort nicht ersetzen könnten. Sie könnten Begegnung, Gemeinschaft und demokratische Erfahrung in physischen Räumen ergänzen und unterstützen, aber nicht vollständig abbilden.
Mit Blick auf aktuelle Debatten um Social Media unterstrich Broda, dass der DBJR pauschale Verbotsdebatten ablehne. Ein generelles Social-Media-Verbot ginge an der Lebensrealität junger Menschen vorbei und könnte auch Räume einschränken, in denen junge Menschen sich vernetzten, organisierten und politisch einbrächten. Zugleich brauche es besseren Schutz junger Menschen im digitalen Raum, etwa durch wirksame Plattformregulierung.
Darüber hinaus betonte Broda, dass Nachwuchsförderung auch, aber nicht allein durch neue Anspracheformate gelinge. Junge Menschen bräuchten Zeit und Räume für selbstorganisiertes Engagement. Verdichtete Bildungsbiografien, Ganztagsschule, Prüfungsdruck, Ausbildung, Studium und Erwerbsarbeit reduzierten die Freiräume, die freiwilliges Engagement überhaupt erst ermöglichten.
Besonders eindrücklich verwies Broda zudem auf Bedrohungen und Angriffe aus dem extrem rechten Spektrum. Jugendgruppen, Jugendverbände und Jugendringe berichteten vermehrt von Beleidigungen, Online-Angriffen, Bedrohungen, Sachbeschädigungen und Einschüchterungsversuchen. Diese Angriffe richteten sich nicht nur gegen einzelne Organisationen, sondern gegen die demokratische Selbstorganisation junger Menschen insgesamt. Sie erzeugten Unsicherheit, bänden Ressourcen und könnten dazu führen, dass junge Menschen sich aus Sorge vor Anfeindungen aus Engagement zurückzögen. Demokratieförderung bedeute deshalb auch, Jugendverbände im Umgang mit solchen Bedrohungen gezielt zu unterstützen und die junge Zivilgesellschaft sichtbar zu stärken.
Aus Sicht des DBJR braucht junges Engagement Sichtbarkeit, Anerkennung und verlässliche Unterstützung. Wer Nachwuchs im Ehrenamt wirksam stärken will, muss junge Menschen nicht verpflichten oder überreden. Entscheidend ist, die Bedingungen so zu gestalten, dass Engagement möglich, zugänglich, geschützt und dauerhaft tragfähig bleibt.
Zum Mitschnitt der Sitzung im Parlamentsfernsehen: https://www.bundestag.de/ausschuesse/sport_und_ehrenamt/anhoerungen/1182488-1182488