Fachtag „Gute Reise: Mit Sicherheit jugendverbandlich unterwegs!“ in Berlin

Wie erleben Kinder und Jugendliche Ferienfreizeiten? Was macht eine gute Freizeit aus? Und welche Rahmenbedingungen brauchen Jugendverbände, damit Reisen sicher, partizipativ und für möglichst viele junge Menschen zugänglich sind? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Fachtag Jugendreisen 2026 am 23. September in Berlin. Unter dem Titel „Gute Reise: Mit Sicherheit jugendverbandlich unterwegs!“ kamen Akteur*innen aus Jugendverbänden, Wissenschaft und Praxis zusammen, um aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Kinder- und Jugendreisen zu diskutieren. Veranstaltet wurde der Fachtag von der Fachstelle Jugendreisen beim Deutschen Bundesjugendring, der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland, der Deutschen Wanderjugend und der Naturfreundejugend Deutschlands.

Im Mittelpunkt des Vormittags stand die Frage, wie Kinder und Jugendliche Freizeiten erleben und welche Schlussfolgerungen sich daraus für die Praxis des jugendverbandlichen Reisens ziehen lassen. Prof. Dr. Wolfgang Ilg und Judith Dubiski stellten dazu Ergebnisse aus der Publikation „Gute Reise. Empirische Erkenntnisse und Perspektiven zu Kinder- und Jugendfreizeiten“ vor. Die Veröffentlichung bündelt quantitative und qualitative Forschung zu Kinder- und Jugendfreizeiten und verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit Perspektiven für die Praxis.

Eine wichtige Grundlage bilden Daten aus der Panelstudie 2019 bis 2024. Ausgewertet wurden 289 Freizeiten mit 4.541 Teilnehmenden und 614 Mitarbeitenden. Die Ergebnisse zeigen eine insgesamt hohe Zufriedenheit mit Ferienfreizeiten, zugleich aber auch zentrale Herausforderungen: gestiegene Kosten und damit verbundene Fragen der Zugänglichkeit sowie eine weiterhin ungleiche Zusammensetzung der Teilnehmenden. Zugleich wird deutlich, wie stark das Arbeitsfeld vom ehrenamtlichen Engagement getragen wird: 80 Prozent der untersuchten Freizeiten werden vor Ort ehrenamtlich geleitet, 88 Prozent der Mitarbeitenden sind ehrenamtlich tätig. Umso wichtiger sind gute Rahmenbedingungen, Qualifizierung und verlässliche Unterstützungsstrukturen für junge Ehrenamtliche. Auch beim Thema Partizipation zeigen sich Entwicklungspotenziale: Mitbestimmung trägt deutlich zu einer positiven Wahrnehmung von Freizeiten bei, gleichzeitig erlebt ein Teil der Jugendlichen die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten als begrenzt.

Im Anschluss kam Prof. Dr. Wolfgang Ilg mit Wendelin Haag, Vorsitzender des Bundesjugendrings, und den Teilnehmenden des Fachtags über die Ergebnisse ins Gespräch. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Konsequenzen sich aus den wissenschaftlichen Befunden für die Praxis und für die politischen Rahmenbedingungen des jugendverbandlichen Reisens ergeben. Diskutiert wurden unter anderem mentale Gesundheit und Inklusion auf Freizeiten, die Frage nach Zugängen für unterschiedliche Gruppen junger Menschen sowie politische Anforderungen an eine bessere Unterstützung und Absicherung von Ferienfreizeiten. Dabei wurde zugleich deutlich, wie wichtig ein kontinuierlicher Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis ist: Forschung macht Entwicklungen und Herausforderungen sichtbar, während Erfahrungen aus der Praxis helfen, die Befunde einzuordnen und konkrete Handlungsbedarfe zu benennen.

Am Nachmittag stand der Praxisaustausch im Mittelpunkt. In fünf Workshops beschäftigten sich die Teilnehmenden mit Schutzkonzepten bei Ferienfreizeiten, Krisenmanagement, Mitbestimmung, dem Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis sowie dem Umgang mit rechtsextremen Dynamiken auf Freizeiten. Im anschließenden Open Space konnten die Teilnehmenden Themen aus den Workshops vertiefen, eigene Fragestellungen einbringen und miteinander ins Gespräch kommen. Ein Markt der Möglichkeiten und ein Gallery Walk ergänzten den Austausch.

Der Fachtag Jugendreisen fand 2026 bereits zum dritten Mal statt. Organisiert wird das Format von der seit 2022 beim Deutschen Bundesjugendring angesiedelten Fachstelle Jugendreisen. Zum zweiten Mal nach 2024 wurde der Fachtag gemeinsam mit bundesweit tätigen Jugendverbänden durchgeführt.

Damit hat sich die Fachstelle als verlässliche Partnerin im Themenfeld Jugendreisen etabliert. Sie bringt Träger und Fachpraxis zusammen, stärkt bundesweite Netzwerke und schafft Räume für den Austausch zu aktuellen Herausforderungen. Eine besondere Rolle spielt dabei der Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis: Forschungsergebnisse werden mit Erfahrungen aus der Freizeitenarbeit zusammengebracht und für die Weiterentwicklung des Arbeitsfeldes nutzbar gemacht. Der Fachtag ist dafür inzwischen ein wichtiger gemeinsamer Ort des Austauschs, der Vernetzung und der fachlichen Weiterentwicklung.