Internationale Jugendpolitik

„Jugendverbände sind unverzichtbar“ – UN-Jugenddelegierte im Interview

Portraitfotos der beiden Jugenddelegierten
Franka Weckner und Ruszlan Biwoino sind die neuen Jugenddelegierten zur Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN). Im Interview sprechen die beiden über ihre Ziele, die Rolle von Jugendverbänden und den typischen Jugenddelegierten-Arbeitstag.

Seit 2005 gibt es in Deutschland zwei Jugenddelegierte, die die deutsche Delegation zur Generalversammlung der Vereinten Nationen nach New York begleiten und direkte Jugendbeteiligung auf internationaler Ebene sichern. Sie setzen sich für die Belange junger Menschen ein, indem sie politisch Verantwortlichen als Experten*innen in Sachen Jugendfragen die Wünsche und Bedürfnisse junger Menschen näher bringen.

Für 2021 wurden Franka Weckner und Ruszlan Biwoino als neue Jugenddelegierte zur UN-Generalversammlung ausgewählt. Ihre einjährige Amtszeit besteht in der Hauptsache aus zwei Teilen. In der ersten Phase werden sie die Meinungen, Visionen und Forderungen von Jugendlichen in Deutschland sammeln. Höhepunkt der zweiten Phase ist die Teilnahme bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Oktober. Auch bei der Sozialentwicklungskommission im Februar 2022 werden die beiden den Interessen der Jugendlichen Gehör zu verschaffen.

 

Frage: Was sind eure Erwartungen und Ziele für die Zeit als Jugenddelegierte?

Franka Weckner und Ruszlan Biwoino: Unser Amt läuft jetzt seit etwa drei Wochen und wir nutzen diese Zeit, um einen Überblick über die Inhalte, Möglichkeiten und Strukturen zu bekommen und uns in laufende Prozesse hineinzufinden.

Unser übergeordnetes Ziel ist, dass Kinder und Jugendliche bei den Vereinten Nationen in allen Belangen gehört, konsultiert, ernstgenommen und in die Prozesse einbezogen werden. Dabei ist uns bewusst, dass dies nur durch ausgeprägte und stabile Strukturen möglich ist. Daher werden wir dafür werben, die Institutionalisierung der Jugendpartizipation voranzutreiben und nachhaltige Beteiligungsstrukturen bei den Vereinten Nationen und darüber hinaus zu schaffen, um eine sinnvolle Einbindung von jungen Menschen zu gewährleisten. Überdies hoffen wir auf eine enge Zusammenarbeit mit allen Akteuren, allen voran mit den Trägerorganisationen, den zuständigen Stellen bei den Vereinten Nationen, der Deutschen Ständigen Vertretung bei den Vereinten Nationen sowie den Bundesministerien und weiteren zivilgesellschaftlichen Gruppen.

Wir möchten neue, uns unbekannte Perspektiven verstehen lernen

Trotz der Corona-Pandemie beabsichtigen wir, eine Vielzahl von Kindern und Jugendlichen zu treffen. Wir haben den Anspruch an uns, möglichst vielseitige Lebenswirklichkeiten kennenzulernen und neue, uns unbekannte Perspektiven verstehen zu lernen. Dieser Austausch ist schließlich die Grundlage, um die Belange von jungen Menschen glaubwürdig auf der internationalen Bühne zu vertreten. Ansonsten freuen wir uns auf ein anspruchsvolles und erlebnisreiches Jahr!

Wie wird für euch ein typischer Arbeitstag als Jugenddelegierte unter Pandemiebedingungen ablaufen?

Soweit wir das bisher mitbekommen haben und einschätzen können, gibt es keinen typischen Arbeitsalltag als Jugenddelegierte, auch unabhängig von der Pandemie. Zum Amt gehört auf jeden Fall der Austausch mit verschiedenen jungen Menschen, der zumindest in der ersten Hälfte unserer Amtszeit digital stattfindet. Dennoch sehen wir die Chance, dass wir im Laufe des Jahres wieder Jugendkonsultationen in Person anbieten und an Präsenzveranstaltungen teilnehmen können. Wir sind also sehr motiviert, andere junge Menschen vor Ort zu besuchen und in Aktion zu erleben.

Warum sollen die Interessen junger Menschen bei den Vereinten Nationen vertreten werden?

Wir junge Menschen leisten bereits heute einen konkreten Beitrag für unsere Gemeinschaft. Wir formulieren Kritik, äußern Vorschläge und fördern auf diese Weise einen konstruktiven gesellschaftlichen Austausch. Durch unsere Offenheit für Neues, unseren vielfältigen Einsatz für unser Umfeld oder unser Interesse am Zustand der Welt prägen wir das Verständnis von menschlichen Beziehungen, stärken wir den Zusammenhalt in unserer Gemeinschaft oder tragen zur grenzüberschreitenden Völkerverständigung bei. Unsere Beteiligung ist dabei notwendig, um Fortschritt nachhaltig zu gestalten.

Es ist die junge Generation, die von allen gegenwärtigen Entscheidungen betroffen sein wird

Besonders für Herausforderungen unserer Zeit wie den Klima- und Umweltschutz, die zunehmende Digitalisierung oder den sozialen Ausgleich ist es entscheidend, junge Menschen einzubeziehen, um Erfolge von heute auf ein nachhaltiges Fundament in der Zukunft zu stellen. Nicht zuletzt ist es stets die junge Generation, die von allen gegenwärtigen Entscheidungen betroffen sein wird. Deshalb ist es geboten, junge Menschen am politischen Entscheidungsprozess teilhaben zu lassen.

Welche Bedeutung hat Jugendverbandsarbeit für euch persönlich?

Durch unsere Ehrenämter kommen wir immer wieder in Kontakt mit den vielfältigen Verbandsstrukturen und den verschiedenen jugendlichen Interessenvertretungen in Deutschland. Verbände und junge Menschen leisten einen enormen Beitrag zur Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs), indem sie Frieden fördern und den internationalen Jugendaustausch voranbringen. Sie sind unverzichtbar in den Bemühungen, die Ziele der Vereinten Nationen zu erreichen und gelten daher zurecht als „Agents for change“. Das Potenzial junger Menschen begeistert uns, sodass wir dieses gerne auch auf UN-Ebene unterstützen und entfalten möchten.

Das Potenzial junger Menschen begeistert uns!

Auch persönlich fühlen wir uns in unterschiedlichen politischen Jugendverbänden zu Hause und haben dort etwa gelernt, offen und konstruktiv zu kommunizieren oder verschiedene Ansichten in eine gemeinsame Position zu integrieren. Das sind alles Fähigkeiten, die uns im kommenden Jahr helfen werden.

 

Das Jugenddelegiertenprogramm ist unter der Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) und des Deutschen Nationalkomitees für internationale Jugendarbeit (DNK). Das DNK ist eine Arbeitsgemeinschaft von Deutschem Bundesjugendring, der Deutschen Sportjugend und dem Ring Politischer Jugend. Weitere Infos unter www.jugenddelegierte.de.

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