Digital

Engagementbericht zeigt Handlungsbedarf beim Ausbau digitaler Jugendarbeit

Der Dritte Engagementbericht beschäftigt sich mit der Zukunft der Zivilgesellschaft und beschreibt junges Engagement im digitalen Zeitalter. „Die zentralen Ergebnisse stützen unsere Forderungen, in der Digitalen Jugendarbeit besteht großer Handlungsbedarf“, sagt unsere stellvertretende Vorsitzende Daniela Broda anlässlich des Digitaltages2020 #digitalmiteinander.

Eine grundlegende Erkenntnis des Berichts: Bestehende Formen des Engagements werden durch Formen digitalen Engagements nicht ersetzt, sondern ergänzt. Knapp zwei Drittel der Jugendlichen zwischen 14 und 27 sind laut Bericht in Vereinen und Verbänden engagiert. Etwas mehr als 40 Prozent geben an, teilweise, überwiegend oder sogar vollständig mittels digitaler Medien ihr Engagement auszuüben. Ein Viertel der jungen Menschen findet sogar den Einstieg in gesellschaftliches Engagement über das Internet. 

Digitales beschränkt sich dabei nicht auf die Werkzeuge für Kommunikation und Planung. Digitales prägt auch zunehmend die Inhalte des Engagements, Digitalisierung wird also selbst zum Thema von Engagement. Es geht zum Beispiel um Datenschutz, um die Bekämpfung von Hate Speech oder allgemein um das Zusammenleben in einer digitalisierten Welt. Die Selbstorganisationen junger Menschen stellen sich bereits auf diese neue Lage ein, spüren aber zugleich: Der Strukturwandel bringt große Herausforderungen, zeigt zugleich aber enorme Potenziale. 

Eine große Herausforderung: Es fehlt bisweilen an Ressourcen für Hardware, Software und Internetzugänge. Und es besteht ein wachsender Bedarf, digitale Kompetenzen zu erwerben. Der Engagmentbericht stellt fest: Es gibt die Gefahr, Potenziale nicht nutzen zu können oder sogar den Anschluss zu verlieren. Wir haben dies bereits 2017 thematisiert und mit unserer Position „Smart Youth Work“ Forderungen dazu gestellt. Wir müssen allerdings feststellen: Unsere Forderungen werden bisher nicht erfüllt. „Wir setzen durch den Engagementbericht darauf, dass die Verantwortlichen in der Politik den Förderbedarf für Digitale Jugendarbeit erkennen“, sagt Daniela Broda.

„Es zeichnet sich eine Entwicklung in Richtung einer digitalisierten Zivilgesellschaft ab. Darin gestalten zivilgesellschaftliche Akteur*innen zunehmend aktiv den Prozess der gesamtgesellschaftlichen Digitalisierung mit“, heißt es in dem Bericht. Das Wie – wie wir es auch vorantreiben – folgt direkt: In den Open-Source- und Civic Tech-Gemeinschaften entwickeln und testen zivilgesellschaftliche Akteur*innen Alternativen zu privatwirtschaftlichen digitalen Diensten und damit auch ihre Kompetenzen zur Mitgestaltung einer digitalen Gesellschaft. Das beschreibt, was wir mit unserem Teil im Projekt jugend.beteiligen.jetzt tun: Unter anderem kostenfreie Werkzeuge zur Beteiligung und digitalen Teilhabe bereitstellen.

Der Bericht beschreibt zum Schluss Ziele und Handlungsempfehlungen. Für uns sind einige besonders wichtig:

  • Strukturförderung für die Digitalisierung des Engagementsektors einrichten.
  • Unterstützungsstrukturen schaffen, die Organisationen befähigen, die Digitalisierung für sich zu nutzen.
  • Wirksamkeit von Beteiligungsrechten stärken.
  • Flächendeckend gleiche Voraussetzungen und Zugangsmöglichkeiten für das Engagement schaffen.
  • Digitale Aspekte in der pädagogischen Arbeit ermöglichen und stärken sowie die Entwicklung neuer Kompetenzen des Lehrpersonals vorantreiben.
  • Förderung der Entwicklung und Betreuung einer aus einzelnen Komponenten bestehenden Open-Source-Infrastruktur für Plattformen. Ein modularer Aufbau ermöglicht es Engagement-Organisationen außerdem, Plattformkomponenten an ihre spezifischen Bedarfe anzupassen und mit ihnen zu experimentieren.
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