Interkulturell

Jugendverbandsarbeit und Integration

Die DBJR-Vollversammlung hat am 29./30. Oktober 2010 die Position „Jugendverbandsarbeit und Integration“ beschlossen:

Handlungsschwerpunkte des Deutschen Bundesjugendrings zur stärkeren Einbindung von jungen Menschen mit Migrationshintergrund in die Jugendverbandsarbeit und Jugendpolitik:

1. Kontakte zu und Zusammenarbeit mit Migrantinnen- und Migrantenjugendselbstorganisationen (MJSO) ausbauen

Der Deutsche Bundesjugendring (DBJR) verstärkt seine Kontakte zu bundesweit tätigen MJSO und bietet ihnen, soweit noch nicht geschehen, eine Zusammenarbeit an. Ziel ist es, mehr Informationen über die MJSO zu erlangen und Informationen über den DBJR zu vermitteln und die MJSO mit anderen Verbänden und Jugendringen sowie weiteren Trägern der Jugendhilfe zu vernetzen. Soweit es im Rahmen der verfügbaren Ressourcen möglich ist, wird auch der Aufbau weiterer eigenständiger Jugendstrukturen, z. B. durch Gründung eines selbständigen Jugendverbandes, durch Beratung und Kontakte, unterstützt.

2. Aktivitäten der Mitgliedsorganisationen bündeln

In vielen Mitgliedsorganisationen wird die interkulturelle Öffnung thematisiert und praktiziert. Viele Mitgliedsverbände führen interkulturelle Projekte und Aktivitäten durch, teilweise auch als Tandemprojekte mit MJSO. Einige Landesjugendringe führen Projekte zur Stärkung der MJSO auf Landesebene und/oder zur Unterstützung der Mitgliedsorganisationen bei der interkulturellen Öffnung durch oder haben dies getan.

Eine wichtige Aufgabe des DBJR ist es, die verschiedenen Aktivitäten der Mitgliedsorganisationen und Jugendringe in diesem Themenfeld zu bündeln und transparent zu machen. Der DBJR macht durch geeignete Formen der Öffentlichkeitsarbeit die erfolgreichen Ansätze, Methoden und Ergebnisse der Integrationsarbeit der Jugendverbände und -ringe für die Politik, die Verwaltung und die Medien anschaulich sichtbar.

3. Migrationspolitik gestalten

Die Migrations- und Integrationspolitik findet derzeit noch weitgehend ohne Berücksichtigung der Inter-essenvertretungen von jungen Menschen mit Migrationshintergrund statt. Ansprechpartner für Politik und Verwaltung sind weitgehend allein die Erwachsenenverbände der jeweiligen Herkunftsgruppen oder Vereinigungen. Die Bedürfnislagen, Zielsetzungen, Perspektiven und Aktivitäten der Erwachsenenorganisationen unterscheiden sich von denjenigen der Jugendorganisationen. Der DBJR sieht deshalb die Notwendigkeit, dass junge Menschen mit Migrationshintergrund und ihre Organisationen stärker als bisher als Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner wahrgenommen werden und ihnen mehr Chancen der Teilhabe an der Gestaltung der gesellschaftlichen Prozesse eingeräumt werden. Dies erscheint auch deshalb besonders notwendig, weil die in der Öffentlichkeit virulenten Themen (z. B. im Bereich Bildung, Arbeitsmarkt usw.) oftmals fokussiert auf die junge Generation der Eingewanderten diskutiert werden. Ähnlich verhält es sich hinsichtlich gesellschaftlicher Öffnungsprozesse, bei denen die erfolgreichen Ansätze der etablierten Jugendverbände und deren Integrationskonzepte nur wenig wahrgenommen werden.

Der DBJR arbeitet bereits in verschiedenen Netzwerken, Kooperationen, Projekten und Fachgremien mit unterschiedlichen Partnern zusammen (Netzwerk interkulturelle Jugendarbeit und Forschung (NiJaF), Forschungsprojekt „Interkulturelle Öffnung in der verbandlichen Jugendarbeit“ des Deutschen Jugendinstituts und der FH Köln, „Jugendarbeit international – Vielfalt erleben (JiVE)“). Diese erfolgreiche Arbeit wird fortgesetzt.

Darüber hinaus werden weitere geeignete Veranstaltungen angeboten, die über das Fachpublikum hinaus eigene Ansätze, Ideen und Konzepte der Migrationspolitik und/oder deren Ausgestaltung kommunizieren sollen. Bei der Konzeption und Durchführung neuer Ansätze werden die Mitgliedsorganisationen eingebunden, die in den verschiedenen Bereichen einschlägige Kompetenzen und praktische Erfahrungen haben.

Ein regelmäßiger Kontakt zu relevanten Entscheidungsträgerinnen und -trägern der Migrationspolitik in Politik und Verwaltung wird als bedeutendes Element einer aktiven Mitgestaltung der Migrationspolitik angesehen. Wichtige Ansprechpartnerinnen und -partner sind das Bundesministerium des Innern, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das Bundesamt für Migration und Flücht-linge, die Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, die Bundeszentrale für politische Bildung sowie die Mitglieder des Deutschen Bundestages.

4. Herstellung von aktiven Unterstützungsmöglichkeiten der Interkulturellen Öffnung und der Chancengleichheit der MJSO

Bisher gibt es kein ausreichendes Förderinstrument, das es explizit ermöglicht, Aktivitäten der Mitglieds-organisationen im Bereich der interkulturellen Öffnung auch finanziell zu unterlegen. Der DBJR hält eine Förderung und strukturelle Einbindung der eigenständigen Zusammenschlüsse junger Menschen mit Migrationshintergrund für dringend notwendig: Funktionierende MJSO bieten die Möglichkeit der politi-schen Teilhabe von Personengruppen mit Migrationshintergrund durch die Einbindung in gesellschaftli-che Kommunikations- und politische Entscheidungs- bzw. Interessenvermittlungsprozesse. Funktionie-rende MJSO leisten Beiträge zur nonformalen Bildung und sind Orte der Gesellung und somit Ort der sozialen Integration sowie der Alltagsbewältigung und leisten wertvolle individuelle Integrationsleistungen für ihre Mitglieder, die gleichzeitig Nutzende sowie Produzentinnen und Produzenten ihrer Angebote sind.[1]

Ziel ist es, erstens die Interkulturelle Öffnung zu unterstützen; zweitens bestehende MJSO in die Lage zu versetzen, verfasste Verbände aufzubauen und diese weiterzuentwickeln. Dazu ist eine zusätzliche finanzielle Ausstattung der Jugendverbandsarbeit und des DBJR notwendig. Diese soll einerseits Projekte der Interkulturellen Öffnung der Jugendverbände unterstützen und andererseits MJSO helfen, verbandliche Strukturen auf- bzw. auszubauen.

Der DBJR setzt sich ganz bewusst für die Förderung der Selbstorganisation von jungen Menschen mit Migrationshintergrund ein. Er begreift den Aufbau von verbandlichen Strukturen als eine große Integrations-leistung und will diese unterstützen. Die Öffnung der Jugendverbände im DBJR für Menschen mit Migrationshintergrund ist eine Regelaufgabe, die die Jugendverbände seit vielen Jahren erfolgreich vorantreiben und die als Querschnittthema bereits durch die Zuwendung aus dem Kinder- und Jugend-plan des Bundes gefördert wird.

Ziel des DBJR bleibt es, Jugendverbände mit bundesweiter Relevanz in den DBJR einzubinden (durch Voll- oder Anschlussmitgliedschaft) und sich für eine entsprechende Förderung aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes und darüber hinaus einzusetzen. Diese gilt insbesondere auch für MJSO.

Forderungen:

Um die interkulturelle Öffnung der Jugendverbände und den Aufbau von bundesweiten MJSO nachhaltig zu gestalten, fordert der DBJR

  • angemessene zusätzliche finanzielle und politische Unterstützung.
  • die Überführung von Modellprojekten in eine Regelförderung von MJSO.
  • eine Flexibilisierung des Zugangs zu einer Regelförderung (z. B. die Vertretung in einer Mindest-zahl von Bundesländern).
  • Transparenz, Bündelung und Vernetzung von bundesweiten Programmen und Projekten aus den Themenfeldern der interkulturellen Öffnung und der Förderung von MJSO.

Von der 83. Vollversammlung am 29./30. Oktober 2010 in Berlin einstimmig beschlossen.

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[1] siehe Position des DBJR: Potentiale nutzen und ausbauen! –Jugendverbände und die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund (77. Vollversammlung 2004)

Themen: Interkulturell