Sustainability

Zur Aktualisierung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie

Auf Grundlage bisheriger Stellungnahmen zur Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie haben wir zur Aktualisierung und Weiterentwicklung der Strategie erneut eine Stellungnahme abgegeben.

Eine Aktualisierung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und der bestehenden Nachhaltigkeitsindikatoren ist für 2018 vorgesehen. Der Deutsche Bundesjugendring bekräftigt seine Forderungen zur Umsetzung der Agenda 2030 Ziele in Deutschland. Wir setzen uns dafür ein, dass die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie umfassender auf Themen wie Demokratieförderung, Bekämpfung von Rassismus, Armut, Mobilität, Wohnumfeld, Digitalisierung sowie die politische Teilhabe von jungen Menschen in und an der Strategie eingeht. Für eine Strategie, die einen Weg in die Zukunft weisen kann, steckt in vielen Zielen und Maßnahmen nach wie vor wenig Mut für einen Neuanfang und eine konsequente Ausrichtung auf die Sustainable Development Goals (SDG).

Die Potenziale aus SDG 16 müssen aus unserer Sicht stärker genutzt werden. Aus der Perspektive junger Menschen fehlen in der Nachhaltigkeitsstrategie an dieser Stelle Ideen und Aktivitäten, wie Deutschland und die Welt nachhaltig friedlicher und sicherer gestaltet werden kann. Es ließe sich beschreiben, wie Demokratie gestärkt und Rassismus bekämpft werden können; Und das, obwohl die Bundesregierung dazu selbst ein millionenschweres Programm (Demokratie leben!) aufgelegt hat. Es ließe sich außerdem beschreiben, wie freiwilliges und ehrenamtliches Engagement dazu beiträgt, Deutschland und die Welt solidarischer zu machen.

SDG 16 betont die politische Teilhabe als ein Unterziel. Nach unserer Überzeugung kann die Gesellschaft nur zukunftsfähig, friedlich und inklusiv werden, wenn sie Ernst macht mit der Verwirklichung ihrer demokratischen Werte für alle, die in Deutschland leben – ganz besonders aber für alle jungen Menschen. Stark bleiben demokratische Strukturen dann, wenn junge Menschen frühzeitig erfahren können, dass ihre Mitwirkung Wirkung hat. Wesentlich ist, dass junge Menschen wirksam in Entscheidungsprozesse eingebunden sind, dass die Themen für sie relevant sind, die Methoden anregend und passend, die Prozesse übersichtlich und transparent. Sie brauchen Begleitung und Beratung. Zeitläufe müssen großzügig geplant werden, wenn alle jungen Menschen eine Möglichkeit zur Beteiligung haben sollen. Hier bieten weitere Indikatoren und Ergänzungen der Nachhaltigkeitsziele in der deutschen Strategie das Potenzial, auf diese Themen einzugehen.

Darüber hinaus setzen wir uns dafür ein, dass Kinderrechte als Indikator für eine nachhaltige Entwicklung berücksichtigt werden. Insbesondere zu Kinder- und Jugendarmut sagt die Nachhaltigkeitsstrategie nichts, obwohl dies Faktoren in der Strategie sein müssen. Dabei hat materielle Armut häufig negative Auswirkungen auf eine ganze Reihe von Lebensbereichen. Die verfügbaren materiellen Ressourcen bestimmen über die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, des Wohnumfelds, der Mobilität, der Ernährung, der politischen und gesellschaftlichen Beteiligung sowie häufig auch über Bildungschancen. Aktivitäten dagegen und messbare Indikatoren über den aktuellen Zustand gehören deswegen unbedingt in eine Nachhaltigkeitsstrategie.

Wir vermissen Ideen und Indikatoren für eine jugendgerechte Mobilität, also vor allem zum Aus- und Umbau des Öffentlichen Nahverkehrs. Kinder und Jugendliche haben ein hohes Mobilitätsbedürfnis. Für sie ist Mobilität – stärker als für andere Bevölkerungsgruppen – ein Schlüssel für Bildung, neue Erfahrungen und Zugänge zu neuem Wissen. ÖPNV und Bahnverkehr dürfen deswegen nicht nach rein wirtschaftlichen Interessen gesteuert werden. Soziale und ökologische Aspekte müssen Vorrang haben. Zumindest müssen bei der wirtschaftlichen Berechnung die externen, sozialen und ökologischen Folgekosten mit kalkuliert werden.

Im Zeitalter der Digitalisierung bleibt die Strategie ebenso weit hinter den Möglichkeiten zurück, Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für eine nachhaltige Entwicklung zu beschreiben. Wenn Digitalisierung und Breitbandausbau genannt werden, liegt der Fokus klar auf wirtschaftlichen Aspekten. Die sozialen oder ökologischen Aspekte der Digitalisierung bleiben außen vor. Dabei sind gerade die es, die für junge Menschen und die künftigen Generationen einen wesentlichen Teil des Lebens ausmachen und alle Bereiche des Lebens beeinflussen.

Im Interesse junger Menschen und zukünftiger Generationen müssen die Indikatoren und Ziele der Nachhaltigkeitsstrategie dringend überprüft und erweitert werden. Wir bringen uns gerne mit unserem Wissen und den Perspektiven junger Menschen in den weiteren Prozess ein.

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